Full text : Allgemeine Gesellschaftslehre

Vergesellschaftung und Gesellschaft. "243
liches von der Form: „Ich gebe Ihnen meinen Wunsch kund, daß Sie . . .“
sehr selten, und zwar eben nur dann, wenn jemand zunächst darauf
zielt, dem Anderen die Empfänglichkeit hinsichtlich des folgenden
 Anspruches zugehörig zu machen. Aber auch mit jener Form
des Anspruchkörperlichen, in welcher sich die Worte: „Ich will, daß
Sie...“ finden, wird keineswegs über das eigene gegenwärtige Anspruch-Wollen
 ausgesagt, was wieder unmöglich wäre, sondern es wird
der folgende Satz als Anspruch angekündigt, also der Gedanke bedeutet,
 daß der Bedeutende den folgenden Satz in Anspruch-Absicht
bilden wird. Das „Ich will, daß Sie .. .“ steht aber auch häufig an
Stelle des „Ich wünsche, daß Sie ...“, weil überhaupt die Worte
„Wünschen“ und „Wollen“ leicht vertauscht werden. Es ist selbstverständlich
 stets jener emotionale Seelenaugenblick, auf Grund dessen
jemand einen Anspruch erhebt, und welcher stets nur ein ihm zugehöriges
 Wollen sein kann, strenge zu scheiden von jenem ihm
entweder zugehörigen oder auch nicht zugehörigen Wünschen oder
Fürchten, dessen Kundgabe sich im Gewollten jenes Wollens als
Mittel findet. Jener also, der einen Anspruch erhebt, zielt stets auf
einen Anspruch-Glauben des Adressaten, er drückt also ein eigenes
Anspruch-Wollen aus, er bedeutet aber nicht jenes Anspruch-Wollen,
er sagt nicht über dieses sein gegenwärtig wirkendes Anspruch-Wollen
aus, sondern er bedeutet dem Anspruchadressaten einen „Eigen-Wunschbzw.
 -Furcht-Gedanken“ und einen „Ander-Soll-Gedanken“. Gebraucht
also jemand die Worte: „Ich will, daß Sie ...“, so meint er entweder:
„Ich wünsche, daß Sie .. .“ oder „Ich wünsche, daß Sie nicht : Ich
fürchte, daß Sie . ..“, oder er kündigt den folgenden Satz :als
Anspruch an, sagt also über sein gegenwärtiges Vorhaben aus.
Nun gibt es aber noch eine besondere Form von ‚„Anspruchkörperlichem‘‘,
 welche wohl insbesondere die Veranlassung dafür geboten
 hat, die „Wunschsätze‘‘, „Fragesätze‘, ‚„‚Befehlsätze‘“ usw. von
den Behauptungssätzen zu unterscheiden, von besonderem Bezeichnungskörperlichen
 als „Imperativen‘, „„‚Emotiven‘“ usw. zu sprechen, nämlich
das Anspruchkörperliche von der Form: „Hinaus mit Ihnen!‘“, „Geben
Sie mir ein Glas Wasser!“, „Sagen Sie mir, ob...“ usw. usw. In der
Tat unterscheidet sich nun ein Satz von der Form „Geben Sie mir ein
Glas Wasser“ als Körperliches hinsichtlich seiner Form von einem Satze
von der Form: „A ist krank“, und zwar deshalb, weil er nicht jene
Gliederung in „grammatisches Subjekt‘, „grammatisches Prädikat“ und
„Kopula“ aufweist, wie der zweite Satz, Indes muß gegen die Meinung,
daß solche Sätze keine Behauptungssätze sind, schon der Umstand mißtrauisch
 stimmen, daß dem Sinne nach etwa das Bezeichnungskörperliche,
„Ich wünsche, daß Sie mir ein Glas Wasser bringen‘ dem Bezeichnungskörperlichen
 „Bringen Sie mir ein Glas Wasser!‘ vollkommen äqui-16%

            
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