Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

[20

karolingischen Münzwesens, M. Prou, gegeben“). Da Pirenne selbst
den Handel der Merowingerzeit sehr hoch veranschlagt, wäre damit
allein schon die Notwendigkeit erklärt, infolge des Abflusses des
Goldes die Silbermünzung mehr und mehr zu steigern, weil damals
der Import den Export überstieg, die Handelsbilanz im Reiche der
Merowinger höchstwahrscheinlich passiv gewesen ist. Überdies
haben dieselben beiden Numismatiker auch betont, daß ein erheblicher
 Ersatz durch eigene Minenproduktion oder Finfuhr aus
fremden Ländern damals nicht statthatte®?).
Das ändert sich nun aber gerade in der Karolingerzeit sehr beträchtlich.
 Wir können aus einzelnen Legenden der Münzen (ex
metallo novo) direkt entnehmen, daß jetzt neue Edelmetallaufschlüsse
 erfolgt sind. Und es ist schon zur Genüge ausgeführt
worden“), daß nicht nur in der Poitou, bei Melle, Silberbergwerke
damals größere Erträge lieferten, sondern auch in Deutschland
Silberminen betrieben wurden. Die Aufschrift verschiedener
Münzen „Metall. German.“ weist noch besonders darauf hin’.
So wäre also bereits auf Grund dieser Nachweise der älteren
Forschung zur Genüge klargestellt, warum die Silberausmünzung
in der Karolingerzeit immer mehr überwog. Sie ist keineswegs als
ein Zeugnis für den Rückgang des Handels zu werten.
Ich selbst habe nun, lange bevor Pirennes Theorie aufgestellt
wurde, überdies auch die Grundthese bestritten, daß in der Karolingerzeit
 das Gold bei den Franken seltener geworden sei. Bereits
F. Dahn hatte erkannt"), daß für diese Hypothese kein anderer
Grund maßgebend gewesen sei, als der supponierte Übergang von der
Gold- zur Silberwährung. Da hier also nur ein Zirkelschluß vorliegt
und erwiesen ist, daß der Übergang von der Gold- zur Doppelwährung
 schon im 7. Jahrhunderte, also zur Merowingerzeit noch,
erfolgte, kann daraus überhaupt nichts für den Rückgang des Handels
in der Karolingerzeit gefolgert werden®®). Vor allem darf auch die
Verschlechterung der merowingischen Goldprägungen, welche da-*)

 Les Monnaies Merovingiennes, p. XI u. CV f. (1892).
) Soetbeer a.a.O. 307, Prou a.a.0. p. CVI.
5%) Soetbeer a.a.O. 4. Abschnitt, S. 346 f., Prou a.a.0.,
*%) Vgl. Prou, Monnaies Karoling. Introd. LXXVII.
®) Könige der Germanen. VIIL, 5, 61. .
*) Vgl. meine „Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit“ 2, 306 —
2? 418 ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.