Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

AN

auch Getreide oder Reis nur von einem Teile der Bevölkerung
zu Zahlungszwecken verwendet werden, nämlich jenen, welche
Überfluß an solchen Naturalien besaßen, also die Ackerbauer
bzw. Hirten, nicht aber von der städtischen Bevölkerung und
vor allem ’auch den Taglöhnern. Die Bezahlung dieser, aber auch
die Zahlungen ihrerseits sind vielfach in Geld erfolgt. Wir haben
also nach den verschiedenen Produktionszweigen zu scheiden. Der
Bauer und auch der große Grundbesitzer zahlt mit den Gütern,
welche er selbst produziert, vor allem mit landwirtschaftlichen
Erzeugnissen. Der direkte Austausch mit dem Handwerker in
der Stadt würde‘ zwar nicht in der Theorie, aber praktisch tatsächlich
 manche Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten zeitigen,
die nicht nur aus der Teilung der Sachgüter sich ergeben. Sie
werden hervorgerufen durch die Aufbewahrung und Konservierung
 einzelner Güter, welche leicht verderben, anderseits aber
durch die Notwendigkeit, für die Fütterung des Viehes sowie
für die Unterbringung desselben entsprechende Räume und
Nahrungsmittel bereitzustellen.
Die für alle Produzenten ebenso wie für die Konsumenten
förderliche Vermittlung übernahm auch in Altindien bereits ein
Berufsstand von Kaufleuten und Händlern, die bei dem von ihnen
gepflegten Warenverkehr nicht nur Naturalgeld verwendeten,
sondern bereits auch Metallgeld”?).
Die Annahmen Pran Naths wären nur dann richtig, wenn
er nachweisen könnte, daß ein solcher Berufsstand von Kaufleuten
und Händlern in Altindien überhaupt nicht vorhanden gewesen
sei. Seine Darstellung ist überhaupt nicht frei von inneren Widersprüchen.
 Einerseits soll der (Natural-) Tauschverkehr in der
älteren Zeit die Regel gebildet und die wirtschaftliche Organisation
 bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. geldlos gewesen sein,
anderseits behauptet er doch wieder, der Tauschverkehr sei bloß
aus der hohen Kaufkraft des Geldes, sowie einem Überfluß an
Bodenprodukten und Vieh hervorgegangen’). Also war doch

7) Die Belege dafür haben Zimmer, Altindisches Leben, Berlin 1879, ferner
R. Fick, Soziale Gliederung im nordöstl. Indien zu Buddhas Zeit, Kiel 1897;
ro. Kapit., S. x72 ff., sowie Romesh Chunder Dutt, History of Civilization
in ancient India, Straßburg 1889/90, endlich Rhys Davids a.a.O. S. 862 f.,
erbracht.
723) A.a.O, S. 13.
            
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