fullscreen : Die deutsche Ölmüllerei

3.  Die  soziale  Bedeutung  der  großindustriellen  Entwicklung.  175

dem  hohen  Prozentsatz  der  als  Nebenberuf  Landwirtschaft  treibenden ­
  Selbständigen  endlich  kann  man  entnehmen,  daß  es
sich  in  den  meisten  Fällen,  wo  neben  der  Ölmüllerei  noch  ein
Nebenerwerb  betrieben  wird,  um  kleine  und  kleinste  Ölmühlen
handelt,  da,  wie  ich  im  vierten  Abschnitt  noch  näher  ausführen
werde,  schon  seit  den  neunziger  Jahren  der  größte  Teil  der
bedeutenderen  Ölmühlen  in  Hafenplätzen,  also  meistens  Städten,
gelegen  ist.
ln  bezug  auf  die  Lage  der  in  der  Ölmüllerei  selbständig
tätigen  Personen  ergibt  sich  also  folgendes  Bild:
Die  Entwicklung  in  der  Ölmüllerei  hat  die  Zahl  der  Selbständigen ­
  vermindert  und  die  der  Abhängigen  vermehrt.  Nach
der  Berufsstatistik  kamen  auf  je  einen  Selbständigen  an  Abhängigen ­
  1882:1,1;  1895:2,4  und  1907:4,8  (nach  der  Gewerbestatistik, ­
  welche  allerdings  nur  die  Hauptbetriebe  berücksichtigt,
kommen  auf  jeden  Selbständigen  1875:2,1;  1882:6,3;  1895:10,6
und  1907:11,3  Abhängige).  Viele  der  in  der  Ölmüllerei  selbständig ­
  tätigen  Personen  sind  gezwungen,  neben  der  Ölmüllerei
noch  einen  Nebenerwerb  zu  betreiben,  doch  scheinen  hier  mit
der  Vergrößerung  der  Betriebe  Änderungen  einzutreten,  da  sich
die  Zahl  der  in  der  Ölmüllerei  ohne  Nebenerwerb  selbständig
Tätigen  fortlaufend  relativ  und  absolut  vermehrt.
Gehen  wir  nunmehr  zur  Betrachtung  der  Lage  der  in  der
Ölmüllerei  tätigen  Arbeiter  und  Arbeiterinnen  über.  Mit  dieser
muß  ich  mich  etwas  eingehender  beschäftigen,  und  zwar  will
ich  zuerst  die  Beschaffenheit  der  Arbeitsräume  und  die  Art  der
zu  leistenden  Arbeit  behandeln.  Hier  zeigen  sich  zwischen  Großbetrieb ­
  und  Kleinbetrieb  bedeutende  Unterschiede.  Während
wir  bei  den  älteren  Ölmühlen,  heute  namentlich  noch  bei  den
Wasserölmühlen,  häufig  nur  einen  einzigen,  engen,  dumpfigen
und  niedrigen  Arbeitsraum  vorfinden,  in  welchem  der  ganze
Fabrikationsprozeß  vor  sich  geht,  haben  wir  in  den  großen  Ölmühlen ­
  der  heutigen  Tage  ausgedehnte,  helle  Arbeitsräume,  getrennt ­
  nach  den  einzelnen  Stadien  des  Produktionsprozesses.
Demzufolge  finden  sich  denn  auch  in  den  Berichten  der  Gewerbeinspektoren ­
  und  den  Jahresberichten  der  Müllereiberufsgenossenschaft ­
 3 )  immer  wiederkehrende  Klagen  über  die  Zu-3

 )  Die  Ölmühlen  gehören,  so  weit  sie  selbständige  Betriebe  sind,  in
bezug  auf  die  Unfallversicherung  zur  Müllerei-Berufsgenossenschaft.
            
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