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Verschiedene Gewerbe, Gruppe VI: Bekleidung und Stoffe,
Gruppe I: Nahrungs- nnd Genußmittel, Gruppe VII: Papier und
graphische Gewerbe und zuletzt Gruppe V: Holzindustrie, die indes
in der Reihenfolge gemäß der Zahl der Neugewonnenen an vierter Stelle
steht. Der Verwendung des Lolzes in der Industrie stehen in der Neu
zeit zwei Rivalen gegenüber, die ihm Gebiete streitig machen: von der einen
Seite her das Eisen, von der andern die aus Mörtel, Fasern und Spänen prä
parierte „Masse". So zeigt uns denn auch die Berufszählung von 1907
sehr viel stärkere Vermehrung der in der Metallindustrie, der Papierindustrie
und der chemischen Industrie beschäftigten Personen, als wir sie in der
Holzindustrie finden. Immerhin übersteigt auch in dieser letzteren der Zu
wachs den allgemeinen Durchschnitt. Gemäß der Zahl ihrer Mitglieder
folgten sich die Gruppen im Jahre 1905 in nachstehender Ordnung: Metall
gewerbe, Baugewerbe, Lande! und Verkehr, Lolzindustrie, Bekleidungs
gewerbe, Graphische Gewerbe, Verschiedene Gewerbe, Gewerbe der
Nahrungs- und Genußmittel.
b) Aus der Tätigkeit der Gewerkschaften.
Wenden wir uns nun der Betätigung der Gewerkschaften zu, so stehen,
neben den Kämpfen für Sicherung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen
im engeren Sinne — Lohnhöhe, Lohnberechnung und Arbeitszeit — die
Demokratisierung der Arbeitsvermittlung und die Sorge für die Be
schäftigungslosen mit an erster Stelle ihrer Aufgaben. Wo die Arbeits
vermittlung in den Länden der Privatunternehmung ist oder von den
Anternehmern monopolisiert wird, ist das Arbeitsverhältnis halbe Sklaverei,
die Arbeitssuche, schon bei der „Umschau" peinlich genug, mit Entwürdigungen
aller Art verbunden. And alles das steigert sich noch zu unerträglichen
Zuständen und schlimmstem Druck auf die Arbeitsbedingungen, sobald der
Arbeitsmarkt mit Beschäftigungslosen überfüllt ist und bittere Not die
Beschäftigungslosen zwingt, ihre Arbeitskraft um jeden Preis zu verkaufen.
Die Organisierung von Arbeitsnachweisen wird daher von den Gewerk
schaften bald als ein wichtiger Zweig ihres Aufgabengebiets begriffen und,
sobald sie nur einigermaßen Boden unter den Füßen fühlen, mit Eifer-
betrieben.
Zwar gab es in Berlin schon seit 1883 einen von bürgerlicher Seite
— dem „Zentralverein für Arbeitsnachweis" — eingerichteten „Allgemeinen
Arbeitsnachweis", der indes weder das Vertrauen der kämpfenden Arbeiter
schaft zu erwerben vermochte, noch über hiitreichende Mittel verfügte, seinen
Betrieb ausreichend zu gestalten. Von der zweiten Lälfte der achtziger
Jahre an geht daher eine Gewerkschaft nach der andern dazu über, sich
ihre eigenen Arbeitsnachweise einzurichten. Die Statistik des Gewerkschafts-
bureatis von 1894 stellt fest, daß in jenem Jahre in Berlin 62 Gewerk
schaften zusammen 86 Arbeitsnachweise hatten, wozu noch drei von Lirsch-
schen Gewerkvereinen eingerichtete Nachweise kamen. Von Anternehmern
tvaren 32 Innungsnachweise und 20 andere Nachweise eingerichtet, neben
380 privaten Stellenvermittlungsbureaus und dem vorertvähnten Zentral-
Arbeitsnachweis. Der Bericht verwahrt sich dagegen, diesen letzteren mit
den ausbeuterischen Stellenvermittlungsgeschäftcn zusammenzuwerfen, erklärt