Viertes Buch.
Die Abtrünnigen.
Mit Bastiat fand der vom Sozialismus bedrohte wirtschaftliche
Liberalismus im Optimismus ein unsicheres Obdach.
Stuart Mill gab den wirtschaftlichen Gedanken der Gründer ihren
klassischen und vollendeten Ausdruck. Das wissenschaftliche Gebäude
der Volkswirtschaft scheint jetzt nahezu fertig.
Soll hiermit auch die Geschichte der Doktrinen ihr Ende finden?
Durchaus nicht! Im gleichen Augenblick, in dem man glauben
konnte, daß der Liberalismus triumphiere und die Ökonomik endgültig
^geschlossen sei, erheben sich von allen Seiten die Gegner. Die Kritik,
nach 1848 für einen Augenblick verstummt, setzt mit neuer Kraft ein und
*äßt sich jetzt nicht mehr unterdrücken.
Zunächst weigert sich in Deutschland eine neue, die historische
Schule, die der Wissenschaft von den französischen und englischen Volks
wirtschaftlern gezogenen Grenzen anzuerkennen. Sie erstickt in der
Atmosphäre von Abstraktionen und Verallgemeinerungen, mit der man
Sle umgeben hat. Sie verlangt von neuem Berührung mit dem Leben,
em der Vergangenheit und dem der Gegenwart. Sie ist der allgemeinen
Gesetze, die leeren Rahmen ähneln, herzlich müde. Sie verlangt Tatsachen
üud Beobachtungen. Mit jugendlicher Kraft greift sie alle alten Schluß
lolgerungen an und will die Nationalökonomie von Grund aus wieder
a uf bauen.
Dies bezieht sich auf die Theorie. Aber mehr noch als die klassische
Theorie wird die liberale Politik angegriffen, mit der die Wissenschaft
unklugerweise gemeinsame Sache gemacht hatte.
Auf der einen Seite protestieren Schriftsteller, die auf christlicher
Grundlage stehen, mit ganz neuer Energie gegen den Optimismus und
dfs laisser-faire, und zwar im Namen der Nächstenliebe, der moralischen
Grundsätze und des Christentums überhaupt. Auf der anderen Seite