30. Das Verhältnis der Kreditbanken zu den Notenbanken usw. 133
Die Notenbanken sahen sich angesichts dieser Entwicklung einer
doppelten Aufgabe gegenüber: Sie mußten im Interesse der Wirk
samkeit ihrer Rate die Spannung zwischen dem Rank- und Privatsatz
zu verringern trachten, wenn ihre Politik durch die Größe der Differenz
bedroht war, und sie mußten, um nicht in Abhängigkeit von den Nredit-
banken zu geraten, ein starkes direktes Nreditgeschäft an sich zu ziehen
versuchen.
In der ersteren Richtung haben die Bank von England und die
Reichsbank eine eigenartige Praxis ausgebildet: sie nehmen dem Rlarkte
Wittel fort. Die Bank von England verkauft zu diesem Zweck exebequer
bons und Konfols; die Reichsbank diskontiert Schatzwechsel der Reichs-
finanzverwaltung, freilich nur dann, wenn sie solche Wechsel besitzt —
das heißt, wenn das Reich genötigt ist kurzflistig zu borgen; da seit
der Reichsfinanzreform die Schatzwechselbegebung sehr eingeschränkt
wurde und sie zudem großenteils in die letzten Iahresmonate fällt, wäh
rend die Spannung zwischen Bank- und Privatsatz gerade in der ersten
Iahreshälfte am stärksten zu sein pflegt, wurde neuerdings von plenge
für solche Termine die Rediskontierung von wechseln aus dem Porte
feuille der Reichsbank in Dorschlag gebracht. Don Reichsbankseite
wurde darauf mit Einwänden wegen der Struktur der Wechsel und
wegen der Aufdeckung der Geschäftsbeziehungen erwidert; beide Ein
wände sind nicht durchschlagend. Der Derkauf des Akzepts der Reichs
bank auf dem warkt — denn die Nommerzwechsel würden doch erst
durch das Giro der Reichsbank Privatsatzmaterial — wäre allerdings
ein bei Notenbanken ungewohnter Dorgang und darum ein Experi
ment, das zur Dermeidung internationaler Nritik besser so lange unter
bleibt, als es einfachere Wittel zur Erreichung desselben Ziels gibt.
Auch die andern gleich der Rediskontierung in der französischen
Enquete der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ausführlich
behandelten Dorschläge sind künstlich und praktisch kaum anwendbar.
Die Ausgabe kurzfristiger verzinslicher Schatzscheine der Notenbank —
etwa nach Art der schweizerischen Nreditbanken — wäre am ehesten
geeignet den zeitlichen Zwischenraum zwischen Zeiten der Geldflüssig
keit und Geldknappheit zu überbrücken: durch hohes Nominale würde
das Bedenken beseitigt werden, daß sie Nonkurrenten der Noten werden
könnten. Solche Schatzscheine würden sich von Schatzscheinen der öffent
lich-rechtlichen Nörperschaften durch den Zeitpunkt der Ausgabe unter
scheiden: die Schatzscheine der Staaten und Städte werden gewöhnlich
bei ungünstigem Napitalmarkt — und gleichzeitig teurem Geldmarkt —
ausgegeben und in einer Zeit des günstigen Napitalmarkts — gewöhnlich