fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels, 97 
Verminderung der Wareneinfuhr nach Deutschland weder zu ermög- 
lichen noch aus handelspolitischen Gründen zu befürworten sein. 
Welche Faktoren können nun andererseits zur Steigerung 
desExportes führen, und welche Gründe erklären den bisherigen 
Rückgang des Fertigwarenexportes (50% der gesamten Ausfuhr 1913)? 
Die Ursachen des Rückgangs des Fertigwaren- 
exportes sind hauptsächlich folgende: 
1. Übersetzte deutsche Preise als Folgeerscheinung der Stabilisierungskrise, rück- 
ständige Fabrikationsmethoden, Kalkulation mit Risikoprämien, Steuerbelastung, hohe 
Frachtgebühren, teuere Kredite usw. 
2, Schwächere Konsumkraft des Auslandes — Nachwehen des Weltkrieges — 
schlechte Valutalage in manchen Ländern, 
3, Geringere Aufnahmelust des Auslandes, 
a) Kriegspsychose, 
b) Ärger über schlechte deutsche Nachkriegsware, Preisnachforderungen, Über- 
schreitung der Lieferzeit usw. 
4. Erstarkung vieler ausländischer Industrien und in Zusammenhang damit: 
5. Hochschutzzolltendenz und Protektionismus ausländischer Staaten, 
6. Bevorzugung des Inlandsmarktes in geldknappen Zeiten, da im Inland Bar- 
zahlung, Ausland dagegen 3—6 Monate Kredit. (Die Inlands-Barzahlung ist jetzt 
jedoch häufig in Fortfall gekommen.) 
Die Passivität der Handelsbilanz als solche ist nicht besorgnis- 
erregend, grundfalsch ist nur die Einstellung zahlreicher Wirtschafts- 
kreise und leider auch eines Teiles der Presse, die auf der einen Seite 
nach Auslandskrediten rufen, aber dann, wenn diese in der verkappten 
Gestalt von Rohstoffen, Halbfabrikaten oder Fertigerzeugnissen nach 
Deutschland hineingelangen, sich über die Passivität der Handelsbilanz 
wundern und in aller Welt die Wandlung der Kredite als „Unglück“ 
bezeichnen, Gewiß kann die Passivität dann ein Unglück werden, 
wenn die Auslandskredite auf die Dauer zur Belebung des Konsums 
und nicht zur Steigerung der Produktion oder zum Aufbau der Wirt- 
schaft verwandt werden, 
Wie kann aber die Ausfuhr gesteigert werden, wo der 
Bedarf, die Kaufkraft und die Kauflust des Auslandes, abgesehen von 
den oft hohen deutschen Preisen, die Absatzmöglichkeit deutscher 
Waren so behindert? Die Gründe, die wir oben angeführt haben und 
die das ständige Klagelied des Außenhandels bilden, lassen 
sich in entgegengesetzter Richtung noch erweitern, wenn man sich die 
Lehre vor Augen hält, welche gerade der für diese Dinge berufene 
Außenhandel immer und immer wieder von sich gibt: Die Absatz- 
möglichkeit deutscher Waren im Auslande könnte nach 
Die deutsche Wirtschaft.
	        
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