Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

700 I Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
worden war; so wurden die Ratsstellen zum Teil dem jüngeren 
Kaufmanns- und Handwerkerstande geöffnet, und neben den 
Rat trat ein Bürgerausschuß als kontrollierende Körperschaft. 
Das alles waren Ansätze zu frischerem Leben, die sich 
nicht bloß auf wirtschaftlichem, sondern auch auf geistigem Ge— 
biete bemerkbar machten. 
Im übrigen aber war der Einfluß des Hohenzollernstaates 
auf das geistige Leben der Nation — abgesehen etwa 
von dem Hofleben König Friedrichs J. — noch überaus 
gering: vergleicht man ihn z. B. mit dem, was noch in 
derselben Periode oder gar früher Kursachsen bedeutet hat, so 
tritt der Unterschied in greller Weise hervor. Und der Große 
Kurfürst ist auf diesem Gebiete noch reger gewesen als Friedrich 
Wilhelm J. Er hat die alten Universitäten Frankfurt und 
Königsberg wiederhergestellt, er hat 1666 zu Duisburg eine 
neue Hochschule für seine westlichen Länder begründet. Daneben 
wurden zu seinen Zeiten einige Gymnasien neuerrichtet und 
wiedereröffnet, so das Joachimsthal und das akademische 
Gymnasium zu Hamm. 
Unter Friedrich Wilhelm J. ist dann eher für den Elementar⸗ 
unterricht etwas geschehen, als für den Unterricht an den Mittel— 
schulen: im Jahre 1717 hat der König mit Schulgesetz und 
Schulzwang in gewissem Sinne den Grundstein zur späteren 
preußischen Volksschule gelegt. Innerhalb des höheren Unter— 
richtes dagegen hatte er Sinn eigentlich nur für die Staats⸗ 
und Kameralwissenschaften. Und da kam ihm zu Hilfe, 
daß gerade eine preußische Universität, Halle, eine Schöpfung 
Friedrichs J., im Beginn des 18. Jahrhunderts die Führung 
in den juristischen Studien an sich gerissen hatte. So 
ließ er es sich denn angelegen sein, mit ihnen alsbald das 
kameralistische Studium zu verbinden — ist er doch selbst 
in seinen Verordnungen mit ihren langatmigen Einleitungen 
einer der besten auch theoretischen Kameralisten der Zeit ge⸗— 
wesen. Und gerade mit diesen Bestrebungen blieb er dem 
großen rivalisierenden Staate Osterreich um fast eine Generation 
voraus; denn hier hat das Studium der Staatswissenschaften
	        
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