,Die Herrschaft des Wortes“,
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Verhältnis an, das zwischen dieser Jedermanns-Weisheit und den
Worten besteht, den Kindern der lebenden Sprache.
An sich ruht diese Alltagskenntnis, wie gesagt, als ein gestaltloses
Wissen in uns; als das unklare Ganze von lauter ungeklärten Anschau
ungen, die ihrem Inhalte nach viel zu selbstverständlich sind, als daß
uns ihr Besitz im gewöhnlichen Verlauf der Dinge zum Bewußtsein
käme. Weil wir nun Alle handeln, ist uns Allen dieser Besitz gemein.
Diese Anschauungen, in denen sich unser gemeinsames Verhältnis zum
Handeln spiegelt, sind ja wieder viel zu ungeklärt, um einem Zwie
spalte Raum zu geben. Mit dieser Tatsache nun, daß wir Alle die
Alltagskenntnis teilen, fällt es in eins, daß uns die Worte verständlich
sind, mit deren besonderer Hilfe wir im Handeln selber über das
Handeln sprechen. Sie sind uns das Mittel des Ausdruckes, durch das
wir uns im nämlichen Gedanken finden, ohne uns den letzteren eigent
lich klarzumachen. Und dazu gehören z. B. auch „Haushalten“ und
„Unternehmen“. Nicht also, daß wir diese Worte in Eintracht zu
definieren wüßten. Muß denn so eine Einheit der Sprache gleich auch
eine Einheit unserer Gedankenwelt sein ? Daran hängt das sprachliche
Verständnis ganz und gar nicht. Solche Worte sind um so verständ
licher, je harmloser wir sie verwenden; je ruhiger sie im Flusse der
Rede schwimmen. Dann erst scheinen sie auf jenes gestaltlose Ge
meinwissen die erfolgreichste Berufung einzulegen. Wir fruchten einfach
diese Alltagskenntnis, wo immer wir jene Worte im zwanglosen Sprechen
verwenden.
So wird es gerade durch einen unbefangenen Gebrauch dieser
Worte möglich, kurzerhand Alltägliches zu erörtern. Es erhellt hier,
um es im Vorgriff zu sagen, wie nationalökonomische Leistungen
möglich sind, auch wenn man auf jene „Theorie vor den Tatsachen“
verzichtet, auf die ich später verweise. Es ist gleichgültig, ob dieser
Verzicht nun ein bewußter ist, oder uns aus der Gewöhnung zwang
losen Sprechens überkommt. Erörterungen, die diesen Verzicht leisten,
können sich kraft mancherlei Tugenden zum Range einer wissenschaft
lichen Leistung erheben: Treue gegenüber den Tatsachen, Schärfe der
Folgerung, vor allem der Umstand, daß man das Interesse an der Er
fahrung über die Interessen am Erfahrbaren stellt! Eines aber bleiben
solche Erörterungen ihrer Wissenschaftlichkeit schuldig, und je ge
läuterter sie sind, desto drückender das Versäumnis: Sie zehren ja von
der Alltagskenntnis, stellen sich also auf den Boden unge
klärter Anschauungen, von denen sie sich keinerlei
Rechenschaft ablegen.
Hier steht es zweifellos dem Denken frei, in eigener Sache einen