unternehmungsmäßig verbunden, wie es früher
mit Erzgruben und Waldbesitz gewesen war.
Es war zugleich die Zeit einer weitgehenden
Selbstkostensenkung und Preisverbilligung, die
dem wachsenden Eisenverbrauch, dem weitaus—
greifenden Eisenbahnbau, der Ausbreitung der
Dampfmaschinen usw. große Aufstiegsmöglich—
keiten verlieh. Das neue ZSeitalter hätte für die
Eisenwirtschaft glücklich verlaufen können, wenn
nicht — neben dem mangelhaften Roheisenzoll —
technische Erfindungen und politische Störungen
von neuem revolutionierend gewirkt haben
würden.
Zweite Periode des Zollvereins.
(1855— 1879.
Die Erfindungen Bessemers,
Friedrich Siemens“ und Martins
in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
leiteten eine grundlegende Anderung der Staͤhl—
gewinnung ein. Ungefähr zur selben ßSeit ließ
man sich im Deutschen Zollverein zu gefährlicher
Kursänderung in der Zoll- und
Handelspolitik verleiten. Das allen
anderen Eisenländern weit überlegene England
hatte 1846 seine Eisenzölle abgeschafft und
predigte seitdem den Freihandel als den einzig
richtigen Weg wirtschaftlichen Fortschritts. Der
Freihandel wurde jahrzehntelang auch den wirt—
schaftlich zurückgebliebenen Ländern als das
Allheilmittel für alle Wirtschaftsnöte gepriesen,
mit einer Schlagkraft, wie es heutzutage etwa
mit den sozialistischen und kommunistischen Re—
zepten geschieht.
In die gleiche Zeit fiel das Begehren Öster—
reichs, in den Deutschen Zollverein aufgenommen
zu werden. Preußen aber fürchtete dadurch
seinen Einfluß und seinen Vorrang im Zollverein
zu verlieren; es schloß deshalb 1854 nur einen
Handelsvertrag mitösterreich ab.
Preußen schlug lieber eine freihändlerische Rich-
tung ein, als daß es das stark schutzzöllnerische
österreich in den Zollverein hereingelassen hätte.
Die durch die antiösterreichische Politik Preußens
hervorgerufene Zollvereinskrise erreichte ihren
Höhepunkt, als Preußen 1802 mit Frank—
reich einen Handelsvertrag abschloß,
mit der Einräumung der Meistbegünstigung
weitgehende Zollermäßigungen verband und
kurz danach die Kündigung aller Zoll—
vereinsverträge aussprach.
Indes ließen sich die Zollvereinsländer auch
unter den veränderten handelspolitischen Ver—
hältnissen zu eine Berlängerung des
Zollvereinsvertrags herbei. Damit
war nicht nur eine politische Wendung von
——
zroßer Tragweite eingeleitet, sondern auch die —
Lage der Eisenindustrie erschwert, und zwar 5
im so mehr, als mit der Senkung der deutfcher
Lisenzölle die französischen staatlichen Ausfuhr ·
ergütungen zusammenwirkten und neben den
englischen und belgischen künftig auch noch
zroße französische Einfuhrmengen ins deutsche
Zollgebiet geworfen wurden.
So tauchte in der Mitte des vorigen Jahr⸗
zunderts erneut die Schicksalsfrage der
deutschen Eisenwirtschaft auf.
Die Freihandelspropaganda zog
Handel und Landwirtschaft, Presse, Parlament
und Regierung, ja selbst Industrielle immer mehr
in ihren Bann. Im Fahre 1869 kam es zu
Parlamentsanträgen auf weitere Senkung der
kisenzölle. Dies wiederholte sich 1870 und
1873. Die Freihandelspsychose war inzwischen
o weit fortgeschritten, daß damals der Abgeordnete
pon Behr im Reichstag ausrufen konnte: „Es
liegt mir nichts ferner, als die Notwendigkeit der
Aufhebung der Eisenzölle zu beweisen. Axiome
heweist man nicht. Unsere Gegner haben zu be—
veisen, ob es noch länger notwendig sei, das
kisen zu besteuern.“
Die Eisenindustriellen hatten es schwer, gegen
die Berherrlichung des Freihandels anzukämpfen.
vSeheimrat Stumm hat in einer Reichstags-
rede von 1873 den internationalen Freihandel
nicht gerade abgelehnt, sondern ausgesprochen,
‚die deutsche Eisenindustrie würde sogar besser
ahren, wenn die Bauptkontinentalstaaten sich
zu einem für Eisen freien Zollgebiet vereinigen
würden“. Stumm bekämpfte aber zielbewußt
ein einseitiges freihändlerisches Vorgehen Deutsch-
lands, namentlich im Hinblick auf Krisenzeiten,
vo der Freihandel höchst verderblich wirken
nüsse.
Nichtsdestoweniger wurde das Gesetz betreffs
Aufhebung der Eisenzölle, das im Jahre 1877
zu einer vollständigen Zollfreiheit führen sollte,
1873 innerhalb weniger Tage im Reichstag
urchgepeischt. Professor Sering geißelt diese
überhastete Gesetzesmacherei in seiner oben er—
vähnten Schrift, indem er ausführt: „Es be—
teht ein himmelweiter Unterschied zwischen der
»ehäbigen Art der alten Generalkonferenz des
Zollvereins, die die Geschäfte im Laufe von
acht bis zehn Monaten abzuwickeln pflegte, und
der fieberhaften Tätigkeit im Parlament, das
nnerhalb von acht Tagen die Aufhebung der
Lisenzölle entschieden hat.“
Kaum war die Zollaufhebung be—
chlossen, als die Krise der siebziger Fahre
hegann. Mit der Nachfrage stürzten die Preise
auf die Hälfte des höchsten Standes von 1873
und später noch tiefer. Die Baisse, von der