Die Umformung der „Stammbegriffe“.
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richtung“ des Menschengeistes ein gegebenes und selbstverständliches
Faktum, das wir dogmatisch an die Spitze stellen dürften?
Oder bedeutet sie nicht gleichfalls eine Setzung und eine Annahme,
die die Erkenntnis macht, um in dem Getriebe einzelner
„Tatsachen“ sich zurechtzufinden, um sich für ihre eigenen
Zwecke eines Ausgangspunkts und eines Leitfadens zu Vversichern?
Auch hier ist uns somit kein anderer Weg gelassen,
als das Problem der Einheit der Geschichte — nach einem Goetheschen
Wort — „in ein Postulat zu verwandeln“. Je mehr sich
dieses Postulat in der Erschliessung und Sichtung der besonderen
Erscheinungen bewährt, umsomehr hat es sein Recht und seine
„Wahrheit“ erwiesen. Blicken wir von hier auf die transscendentale
Methode zurück, so begreifen wir nunmehr, mit welchem
Recht sie ihrer Untersuchung eine bestimmte Phase und Ausprägung
des Denkens als Objekt zu Grunde legt, mit welchem
Recht sie sich an die jeweilig reifste Entwicklung der mathematischen
Naturwissenschaft wendet, um aus ihrer gegenwartigen
Struktur zugleich den Aufschluss über die Bedingungen zu erhalten,
die zu ihrer Entstehung mitwirkten. Dass das „Faktum“ der
Wissenschaft seiner Natur nach ein geschichtlich sich entwickelndes
Faktum ist, darf und soll ihr dabei beständig gegenwärtig
bleiben. Wenn bei Kant diese Einsicht noch nicht unzweideutig
zu Tage tritt, wenn die Kategorien bei ihm noch als der Zahl
und dem Inhalte nach fertige „Stammbegriffe des Verstandes“ erscheinen
können, so hat die moderne Fortbildung der kritischen
und idealistischen Logik über diesen Punkt volle Klarheit geschaffen.
Die Urteilsformen bedeuten ihr nur einheitliche und
lebendige Motive des Denkens, die durch alle Mannigfaltigkeit
seiner besonderen Gestaltungen hindurchgehen und sich in der
Erschaffung und Formulierung immer neuer Kategorien belätigen.
Je reicher und bildsamer sich diese Variationen beweisen, umsomehr
zeugen sie damit für die Eigenart und Ursprünglichkeit der
logischen Funktion, aus der sie hervorgehen. ‘5 In diesem Zusammenhang
wurzelt zugleich die systematische Aufgabe, die
der Geschichte der Philosophie geslellt ist und die ihr, bei aller
Versenkung in die Einzeltatsachen und bei allem Streben nach
genauester Erschliessung und Wiedergabe der Quellen, dauernd
lebendig bleiben muss. —