Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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gab. Diese Krisis übertrug sich auch auf England, wo die Unsicherheit
 der Banken infolge der freien Notenemission klar zu Tage trat,
Im Jahre 1847 kam eine neue Krisis zum Ausbruch infolge ausgedehnter
 Mißernten, sowohl an Getreide, wie auch besonders an Kartoffeln
nach Ausbruch der Kartoffelkrankheit, welche die Zahlungsfähigkeit
der Bevölkerung gewaltig schwächte. In den Vorjahren hatte sich außerdem
 eine ausgedehnte Eisenbahnspekulation entwickelt, welche eine
übermäßige Festlegung von Kapitalien mit sich brachte und eine Geldknappheit
 veranlaßte. Die Krisis ging von England aus und veroreitete
 sich von dort nach Frankreich, den Niederlanden, aber auch
nach Amerika und Deutschland, wo besonders Frankfurt heimgesucht
wurde, In den folgenden 10 Jahren entwickelte sich ein gewaltiger
Aufschwung des Wirtschaftslebens, indem in dieser Zeit die Wirkung
des erweiterten Eisenbahnnetzes und der Dampfschifffahrt zur Geltung
kam, und die Entdeckung der Goldlager in Kalifornien große Mengen
der Edelmetalle in Umlauf brachte. In. Frankreich regte der neugegründete
 Credit mobilier zu vielen großen Unternehmungen, an und
auch in Deutschland herrschte ein sehr reges industrielles Leben, bis
sich auch da ein Rückgang in den übermäßig in die Höhe getriebenen
Kursen der Bank- und Eisenbahnaktien unerläßlich zeigte, und infolge
einer Ueberproduktion die Preise der Waren in bedeutendem Maße
3anken. Zuerst mußte in Amerika eine größere Zahl von Häusern
die Zahlungen einstellen, darauf in England, und die Krisis dehnte sich
auch auf den europäischen Kontinent aus.
So war im vorigen Jahrhundert fast regelmäßig alle 10 Jahre eine
Krisis eingetreten, und auch im Jahre 1866 fehlte eine solche nicht,
als durch den Zusammenbruch einer der bedeutendsten Citybanken in
London eine allgemeine Panik und Kreditunsicherheit entstand. Diese
regelmäßige Wiederkehr gab zu der Konjektur Veranlassung, die
namentlich der englische Nationalökonom Jevons vertrat, daß die
Krisen hauptsächlich auf Mißernten zurückzuführen seien, die allerdings
bei vielen eine erhebliche Rolle spielten, und die Mißernten wiederum
auf die Sonnenflecken zurückzuführen seien, die sich mit ziemlicher
Regelmäßigkeit alle 10 Jahre in bedeutenderem Maße zu zeigen
pflegen. Indessen schon das Angeführte ergiebt, daß nicht immer
genau das Dezennium eingehalten wurde, und die hauptsächlichsten
Ursachen mehrfach anderer Art waren als Ernteausfälle. Seit 1866
haben sich dann die Krisen ganz anders gestaltet, so daß jene Annahme
seitdem als endgiltig beseitizat angesehen werden kann. Die nächste
Krisis ließ nämlich nicht 10 Jahre auf sich warten, sondern brach bereits
 den 3. Mai 1873 aus und nahm Dimensionen an, wie sie das
Jahrhundert noch nicht aufzuweisen gehabt hatte. Der Hauptnährboden,
auf dem sie sich entwickelte, war unzweifelhaft Deutschland, wo nach
der glorreichen Beendigung des Krieges und der Konstituierung des
Jeutschen Reiches eine Unternehmungslust Platz gegriffen hatte, wie
zie bis dahin noch nicht annähernd dagewesen war. Seit 1866 hatte
das Land unter einer großen Depression gelitten, weil man allgemein
einen neuen Krieg erwartete; sehr bedeutende Summen waren deshalb,
da sie im Inlande keine Verwertung fanden, in das Ausland gewandert;
aun glaubte man auf einen langen Frieden rechnen zu können; überall
stellte sich Mangel an Waren aller Art heraus. Die Preise stiegen
und stellten reiche Gewinne in Aussicht. Die Löhne wurden in außerordentlicher
 Höhe bewilligt, so daß die Kaufkraft auch der unteren

1847.

1866.

1873.
            
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