Abschnitt I.
Die Lehre von der Produktion.
Kapitel I.
Die Grundlagen der Produktion.
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Das Bedürfnis als Ursache der volkswirtschaftlichen
Thätigkeit.
B. Gurewitsch, Die Entwickelung der menschlichen Bedürfnisse und die
sociale Gliederung der Gesellschaft, Leipzig 1901.
Bedürfnis als Das Bedürfnis ist, wie wir sahen, die treibende Kraft in der
treibende Volkswirtschaft, auch die Tiere haben ihre Bedürfnisse, doch kann
Kraft. man bei ihnen nicht von Volkswirtschaft sprechen. Der Hamster ist
allerdings vorsorglich und sammelt einen Wintervorrat ein; ja, er ist
vielleicht vorsorglicher als der Neger. Der Biber richtet sich eine
Wohnung künstlich her. Wir finden bei Bienen und Ameisen Arbeits-
teilung und Organisation der gesamten Thätigkeit. Man kann deshalb
wohl von Wirtschaft bei ihnen sprechen, doch bleibt es isolierte Einzel-
wirtschaft, wenn auch mitunter in großem Maßstabe, aber das Tier
kann niemals darüber hinausgelangen. Der Mensch unterscheidet sich
prinzipiell von dem Tiere dadurch, daß er als vernunftbegabtes, selbst-
bewußtes Wesen seine eigenen Anlagen und Triebe zu erkennen und
zu beurteilen vermag und zugleich die Folgen seines Thuns und Treibens
abwägen und ermessen kann. Vorausberechnend kann er seine Eigen-
schaften modifizieren, seinen Trieben Schranken auferlegen und dadurch
auf sein Dasein einen erheblichen Einfluß ausüben. Das Tier giebt
sich rückhaltlos seinen Trieben hin; es besitzt nur ein geringes Au-
passungsvermögen an die Verhältnisse. Es nimmt die Gaben der
Natur, wie sie sind, und geht zu Grunde, wenn es sie nicht zu assi-
milieren vermag. Der Mensch ist imstande nicht nur, was die Natur
zewährt, umzugestalten, um es sich nutzbar zu machen, sondern, und das
ist für uns hier von besonderer Wichtigkeit, auch seine Bedürfnisse
zu modifizieren und den Verhältnissen anzupassen. Jenes allgemeine
Agens, die menschlichen Bedürfnisse, ist nichts unabänderlich Fest-
stehendes, sondern fortdauernden Modifikationen unterworfen. Die
menschlichen Bedürfnisse stehen im Flusse der Geschichte. Die Ge-
schichte der Bedürfnisse giebt uns zugleich die Geschichte der Volks-
wirtschaft, denn die veränderten Bedürfnisse stellen der Menschheit
neue Aufgaben der Arbeit.
Veränder- Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, welche Veränderungen
ıchkeit der unsere Nahrungs- und Kleidungsbedürfnisse im Laufe der Kultur-
Bedürfnisse. antwickelung erfahren haben, um sich dieses klar zu machen. Noch