Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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sein. Zur Aufnahme der Spareinlagen sind die Sparkassen da; zum
Ausleihen die Genossenschaften. Wir würden deshalb für das allein
Richtige halten, dass hypothekarische Darlehen an bäuerliche Grundbesitzer
 nur in engen Grenzen gestattet, die Gewährung von Personalkredit
 aber den Sparkassen unbedingt entzogen und eventuell besonders
 begründeten Genossenschaften oder auch staatlichen Kreditanstalten
 überwiesen würde, denen dann Sparkassen bedeutende Summen
überlassen könnten, wie ebenso die bei der Post gemachten Einlagen.
Wenn man beobachtet hat, in was für untergeordneten Händen die
Sparkassen namentlich kleiner Städte sich oft befinden, so kann man
sich der grossen Bedenken nicht erwehren, diesen eine Bankthätigkeit
 zu überweisen mit Geldern, die die sauren Ersparnisse der arbeitenden
 Klasse ausmachen. Es wäre ein bedenkliches Armutszeugnis zu
erklären, dass wir für diese Aufgaben der Organisation der Sparkassen
nicht entraten könnten.
Eine besondere Erwähnung verdienen die Jugend- und Schulsparkassen.
 Dieselben sind private Einrichtungen, die zu den bisher
arörterten eine Ergänzung bilden sollen, um schon in frühester Jugend
den Sparsinn anzuregen. Man hat dagegen geltend gemacht, dass dadurch
schon bei dem Kinde zu sehr der Erwerbssinn ausgebildet werde und
schon so frühe in dem Leben des Menschen das Geld eine zu grosse Rolle
spielen würde. Das dürfte indes doch nur in den Kreisen der wohlhabenden
 Bevölkerung seine Bedenken haben, nicht aber in der ärmeren
Bevölkerung, wo es im Gegenteil wünschenswert ist, so früh als möglich
 Verständnis für die Bedeutung des Geldes und vor allem des
Sparens hervorzubringen. Wesentlicher ist schon der Einwand, dass
Neid und Missgunst in den jugendlichen Gemütern angeregt wird, wenn
sie beobachten, dass Andere mehr haben und mehr beiseite legen
können. Indessen hat es doch auch Vieles für sich, die Bevölkerung
schon in frühester Jugend an diese unvermeidlichen Unterschiede zu
gewöhnen, und Sache der Lehrer oder sonstiger Leiter dieser Kassen
ist es, dabei pädagogisch zu verfahren; und sie sind vielleicht die geeignetsten
 Personen dafür, die gefunden werden können. Deshalb sind
im allgemeinen die Erfahrungen mit diesen Kassen durchaus günstige
gewesen. Sie sind ganz besonders in Frankreich ausgebildet. Es
yab daselbst:

Schulsparkassen.


Kassen Sparer Einlagen
1877 8033 176 000 2,9 Mill.
1886 23 980 491 160 119

In England zählte man 1898 20 000 Konten, in Belgien 124.000
mit 401000 Fres. In Italien 1893 95000 Sparende, 8100 einachmende
 Lehrer, 395 000 Lire Einlagen. Auch in Deutschland hat
man in der neueren Zeit dieser Einrichtung einige Aufmerksamkeit gewidmet,
 Die einzige Angabe, die uns über die Ausdehnung bekannt
st, stammt schon aus dem Jahre 1883, wo 336 Pfennigsparkassen gezählt
 wurden. Von 172 derselben wurden den Haupt-Sparkassen 1,3 Mill.
Ve. überwiesen.
            
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