Metadata: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Am 18. September 1916 fand auf Zeche Teutoburgia eine 
Sicherheitsmännerwahl statt. Wegen Verstößen gegen die Vor 
schriften hat sie (infolge Beschwerden) das Oberbergamt für 
ungültig erklärt. Der Kandidat der organisierten Bergarbeiter 
war der Hauer Heinrich Benning, Markennummer 141. 
Damit er nicht wieder kandidieren kann, hat man ihn in ein 
anderes Revier verlegt. Auch bei der Lohnregelung hat er nun 
Schwierigkeiten, n>an will ihm geleistete Arbeit (Baue) nicht be 
zahlen. 
Aus der Zeche Ver. Welheim findet im Dezember Nachwahl 
für den Arbeiterausschuß statt, weil der gelbe Ausschuß anläßlich 
des dortigen Streiks kürzlich sein Amt niederlegte. Die in Aus 
sicht genommenen Kandidaten der Organisation waren Karl 
Sonntag, Emil Holdhobler und Alfred Nockstroh. Am 9. No 
vember sind diese drei allein von dieser Zeche zum Militär einbe 
rufen worden. Der erste steht bei den 168ern in Paderborn, die 
beiden anderen bei den 144ern und 159ern in Mülheim. Die' 
Belegschaft, soweit sie nicht aus Gelben besteht, ist über solche un 
erhörte Maßnahmen sehr aufgebracht. 
Auf Zeche Schlägel und Eisen V/VI fand am 27. Septem- 
ber 1916 Ausschuß- bzw. Sicherheitsmännerwahl statt. Es wurde 
das Verbandsmitglied Heinrich Bornkessel gewählt. Am 16. Ok 
tober wurde dieser von der Zeche ganz allein zum Militärdienst 
eingezogen. 
Nach dem letzten eintägigen Streik auf der Zeche Neu-Köln 
isi unser Ausschußmitglied Karl Bein aus Altenessen auch ganz 
allein von dieser Zeche zum Militär einberufen worden. Andere, 
sogar Nichtbergleute, sind von dieser Zeche neuerdings mit Er 
folg reklamiert und haben auf der Zeche die Arbeit aufge 
nommen. Bein hat durchaus, wie uns versichert wird, nur seine 
Pflicht als Ausschußmitglied getan und dabei natürlich die In 
teressen der Belegschaft vertreten. Das scheint in den Augen ge 
wisser Grubenherren ein ganz besonderes Verbrechen zu sein. 
Ein Oesterreicher, der 11 Jahre hier in Erckenschwick ohne 
bestraft zu werden wohnte, wurde am 13. d. Mts. mit Familie 
und Möbel wie ein gemeiner Verbrecher über die Grenze ge 
bracht. 
Das geschieht zur Zeit des Burgfriedens, wo wir mit Oester 
reich gemeinsam eine Masse Feinde abwehren. Deutsche Ar 
beiter maßregelt man nach Herzenslust, wenn sie irgend etwas 
kritisieren oder in Anbetracht der ungeheuren Teuerung als 
Ausschußmitglieder die Interessen der Arbeiter vertreten- Sind 
das nicht himmelschreiende Zustände? Der Ausweisungsfall wird 
neben dem Generalkommando auch das Ministerium des Innern
	        
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