130 Sechstes Buch. Erstes Kapitel.
Verheißung eines den andern Stämmen dereinst homogenen
Charakters.
Gegenüber diesen Aussichten war es ein mehr augenblick—
licher Gewinn, wenn es Heinrich nun auch gelang, die Ungarn mit
Hilfe der neuen Einrichtungen zu vertreiben. Nachdem ein Teil
ihres Heeres im Jahre 933 von Sachsen und Thüringern im
mittelthüringischen Berglande an unbekannter Stelle geschlagen
worden war, hielt der Rest dem Andrängen des Königs selbst nicht
Stand; er floh vor der neuen Angriffsart der sächsischen Reiter;
und ein vielbewundertes Wandgemälde der Merseburger Pfalz
konnte das Gedächtnis an die entscheidende Wendung der Ungarn—
kriege und der sächsischen Taktik zugleich bewahren.
Gleichsam als Vorübung zu den Ungarnkämpfen, doch nicht
minder im Verfolg uralten Grenzhaders, endlich mit dem Ziel
neuer Grenzerweiterungen hatte Heinrich schon etwa fünf Jahre
vor dem Ungarnkriege slawische Kämpfe begonnen. Es war der
Anfang der gewaltigen Ottonischen Ausdehnung des Deutschtums
bis zur Oder, die erst durch die italienischen Mißerfolge
Ottos II. und Ottos III. gehemmt ward.
Weit über die Elbe, ja über die Saale hinaus waren die
Slawen den Germanen, vor allem den Thüringern nachgedrängt.
Sie zerfielen in kleine Völkerschaften, die weit voneinander
zetrennt saßen, geschieden durch Sumpf, Ädland und Haide;
jedes Volk besaß dabei mehrere burgartige, wallgeschützte
Zufluchtsorte für Menschen und Vieh; hierher eilte in schlimmer
Zeit die gesamte Bevölkerung. Die Völkerschaften waren schwach
und wenig zahlreich; sieht man heute vom Czorneboh bei
Hochkirch hinab auf Hunderte von blühenden Slawendörfern der
Lausitz, lebt hier noch jetzt eine wendische Bevölkerung von etwa
180 000 Seelen, so wird in den Zeiten des sächsischen Hauses
die Gesamtzahl aller Cechen kaum mehr als eine viertel
Million betragen haben!.
Zwischen den Slawen und den Deutschen tobten von alters her
—DV
Peisker, Knechtschaft in Böhmen S. 31.