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Siebentes Buch. Erstes Kapitel.
sehen, daß der oberste Hirt der Seelen mit Scharen Gewappneter
auszog, statt dem Feinde betend entgegenzutreten. Indes der
Erfolg des Kriegsmarsches war kein anderer, als der eines
Auszugs von Priestern; das pöpstliche Heer lief auseinander,
ehe es den Feinden zu Gesicht kam (Mai 1052).
Da wandte sich Leo, wie schon früher, aber noch dringender,
in persönlichem Hilfegesuch an den Kaiser. Und es ward ihm
Hilfe gewährt. Heinrich verbriefte dem Papst gegen Aufgabe
unwichtiger päpstlicher Rechte in Deutschland den Besitz von
Benevent und anderm Reichsgut in Unteritalien: ein unver⸗
jährbarer, gesetzmäßiger Anspruch auf pädpstliche Herrschaft
im Süden war errungen. Noch mehr: der Kaiser entbot auch
kriegerische Hilfe; von einem kleinen deutschen Heere begleitet,
zog Leo nach Süden.
Aber auch bei dieser Unterstützung zeigte sich's, daß Petri
Nachfolger das Schwert in der Scheide lassen sollen. Das
Heer ward in der Schlacht von Civitate, am 18. Juni 1053,
von den Normannen völlig geschlagen; der Papst selbst fiel in
die Hände der Sieger. Nun behandelten die Normannenführer
den Papst zwar mit größter Zuvorkommenheit: als getreue
Söhne der Kirche baten sie ihn um Lösung vom Banne und
ührten ihn, als er erkrankte, ehrenvoll nach Rom; aber gleich—
vohl starb Leo, wie später sein größerer Nachfolger Gregor VII.,
fern seinen Zielen und gebrochenen Herzens, am 19. April 1054:
sein letztes Gebet hat er Teutonica lingua gesprochen.
Und wiederum ging eine römische Gesandtschaft nach
Deutschland, um vom frommen Kaiser einen Reformpapst zu
erbitten, wie ihn die römisch-kanonische Wahl auch jetzt noch
schwerlich ergeben haben würde. Der Kaiser wählte den als
Diplomat und Verwalter bewährten Bischof Gebhard von
Fichstädt; als Viktor II. bestieg er 1055 den päpstlichen Stuhl.
Unter ihm ward die italienische Politik Leos IX. mit
Hilfe des Kaisers durchgeführt und ferner entwickelt, soweit es
die schwindenden Tage Heinrichs III. noch zuließen. Der
Kaiser folgte dem Papste fast unmittelbar nach Italien; eine
neue Reformsynode zu Florenz stellte Pfingsten 10085 wiederum