Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 363 
unruhigen. Wie, wenn er als Gegenkönig gegen seinen Vater 
aufträte, wenn auch gegen seinen ausdrücklichen Eid? Dann 
wären die Pläne der Fürsten vereitelt. Wir wissen nicht, ob 
jemand dem verschlagenen Manne solche Gedanken nahe gelegt 
hat oder was sonst ihn bewog: genug, er empörte sich. 
Am 12. Dezember 1104 entfloh er heimlich von Fritzlar, 
aus der Umgebung des Vaters. Er war völlig klar über die 
Lage, denn er erbat sich den Segen des Papstes. Und der 
Papft versicherte ihn durch den Mund seines Vikars Gebhard 
der Sündenvergebung am jüngsten Tage, wenn er, der Empörer 
gegen väterliche und kaiserliche Gewalt, ein gerechter König 
und Verwalter der Kirche sein wolle. 
Auch der Kaiser wußte sofort, trotz eines Versuchs der 
Versöhnung, daß es sich um einen Kampf auf Leben und Tod 
handeln würde. Nicht lange, und es kam zu wirren Kriegs— 
zügen zwischen Sohn und Vater. Heinrich V. gewann vor 
allem die Sachsen und Thüringer; die Erinnerungen an das 
alte Gegenkönigtum Rudolfs und Hermanns wurden hier wieder 
wach. Mit sächsischer Hilfe suchte er den Kaiser aus Mainz, 
aus den Gegenden regen Bürgertums, zu vertreiben, doch ohne 
Erfolg; später waren die Maingegenden und Oberfranken hinab 
bis Regensburg vornehmlich Schauplatz des widerwärtigen 
Kampfes, in dessen Verlauf der Kaiser sogar zur Flucht nach 
Böhmen genötigt ward. 
Doch gelang es dem jungen Heinrich nicht, seines Vaters 
habhaft zu werden; im Herbst 1105 war der Kaiser wieder zu 
Mainz; von neuem mußte Heinrich versuchen, ihn aus der 
centralen Stellung zu verdrängen. Es gelang diesmal nach 
Norden zu; der Kaiser ging rheinabwärts nach Köln. Nun 
konnte Heinrich zugleich diplomatische Mittel anwenden. Er 
hatte auf Weihnacht 1105 einen Reichstag nach Mainz aus— 
geschrieben; hier wollte er seine Empörung durch die Fürsten 
legitimieren lassen; die Absetzung seines Vaters, seine eigne 
Erhebung zum König sollten verkündet werden. 
Es waren Nachrichten, die den alten Kaiser mit Schrecken 
erfüllten; sofort zog er von Köln wieder rheinaufwärts; er wollte
	        
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