Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 343
hehauptete sich noch ein theokratischer Seeräuberstaat unabhängig
von polnischer Herrschaft. Unter diesen Umständen waren die
Aussichten für einen sächsischen Angriff auf die Elbslawenländer
günstig, sobald er von einer deutschen Beeinflussung der Polen—
herrschaft überhaupt begleitet und gefolgt werden konnte. Da
war es ein günstiges Geschick, daß um diese Zeit der Sachsen—
herzog Lothar deutscher König ward: er hat Elbslawen und
Polen zugleich der Oberhoheit des Reiches unterworfen. Er
zerstörte Rethra, den heiligen Ort des Ljutizenbundes, er unter⸗
warf die Abodriten und legte ihnen fast unerschwingliche Tribute
auf; er schloß gegen Ende seiner Regierung (1137) einen Frieden
mit Boleslaw III., kraft dessen dieser dem Reiche für Pommern
und Rügen den Lehnseid leistete und als Marschall vor dem
Kaiser das Schwert trug. Nach König Boleslaws Tode aber,
im Jahre 1138, begann die Polenherrschaft durch Teilungen
inneren Wirren zu verfallen. Dennoch war Lothar in
seiner slawischen Politik, die schließlich nur auf die Tribut—
zahlungen heimischer Herrscher hinauslief, nur der Vorläufer
einer späteren Generation von Fürsten, die siegreich die Elbe
überschritt, um auf slawischem Boden selbst deutsche Herrschaften
zu stiften. Ihre größten Vertreter waren Markgraf Albrecht
der Vär, der Begründer des brandenburgisch-preußischen Staats
(113441170), und der Sachsenherzog Heinrich der Löwe (1139
bis 1180).
Albrecht entstammte einem alten Geschlecht jenes Schwaben—
gaues, der sich vermutlich aus den letzten Nachzüglern der priester⸗
lichen Völkerschaft der Semnonen an den östlichen Ausläufern
des Harzes gebildet hatte: er war ein Schwabe, wie die heutigen
Herrscher Sachsens und Thüringens, die Wettiner, wie vor ihm
Gero, der gewaltige Markherzog der ottonischen Zeiten. Als er,
durch Erbschaft begütert im heutigen Anhalt, wo seine Nachfahren
noch herrschen, im Jahre 1134 von Kaiser Lothar mit der
Nordmark belehnt ward, umfaßte diese thatsächlich nur noch
die heutige Altmark und den Landzipfel zwischen Elbe und
Havel; in der Altmark aber hielten die Deutschen nur noch
den Westsaum besetzt, das Übrige war wüste von Volk und