Object : Der Weltverkehr und seine Mittel

Die  Volkswirtschaft  von  heute.

887

Volks-  und  Weltwirtschaft  von  heule.
Allgemeines.
Das  Bild  des  wirtschaftlichen  Entwickelungsganges  der  Menschheit,  wie  es  der  vorangegangene ­
  Abschnitt  zu  entwerfen  versucht,  bedarf  einer  Ergänzung  durch  eine  Darstellung ­
  der  in  der  Gegenwart  wirksamen  wirtschaftlichen  Kräfte.  Diese  Darstellung  wird
zunächst  ausgehen  müssen  von  einer  Übersicht  über  die  Ausdehnung  und  die  Bevölkerung
der  einzelnen  Staaten.  Denn  wie  der  Boden  die  Grundlage  aller  Wirtschaft,  so  ist  der
Anteil  der  einzelnen  Völker  an  der  bewohnten  Erdoberfläche  eine  der  grundlegenden  Voraussetzungen ­
  für  ihre  weitere  Entwickelung  und  dies  in  um  so  höherem  Grade,  je  mehr
die  Entwickelung  auf  die  Bildung  großer  selbständiger  Wirtschaftsgebiete  und  auf  die
wirtschaftliche  Abschließung  der  Nationen  von  einander  hingeht.  Der  Landbesitz  eines
Volkes  bildet  gewissermaßen  den  äußeren  Rahmen  für  die  Weiterentfaltung  seiner  wirtschaftlichen ­
  Kräfte,  den  freien  Ellbogenraum,  den  es  sich  im  Wettbewerb  der  Völker  für
die  Zukunft  vorweg  gesichert  hat,  vorausgesetzt,  daß  es  auch  die  Kraft  besitzt,  ihn  gegen
die  andringenden  Nebenbuhler  zu  behaupten.
Den  Maßstab  für  das  Vorhandensein  dieser  Kraft,  für  die  Fähigkeit  eines  Volkes,
sein  äußeres  Machtgebiet  sich  nutzbar  zu  machen,  es  zu  behaupten  und  zu  erweitern,
bildet  zunächst  die  Größe  und  die  Bewegung  der  Bevölkerung,  sowie  anderseits ­
  die  Art  ihrer  beruflichen  Gliederung  ein  Bild  feiner  wirtschaftlichen  Eigenart ­
  liefert.
Vervollständigt  wird  dieses  von  der  Betriebsstatistik,  welche  die  in  den  landwirtschaftlichen ­
  und  gewerblichen  Betrieben  vollzogene  Vereinigung  der  sachlichen  und  persönlichen ­
  Produktivkräfte  zur  Darstellung  bringt  und  hinüberleitet  gxtr,  SBefjjred&ung  der  Erzeugung ­
  und  des  Verbrauches  der  wichtigsten  Welthandelsgüter  und  der  Bedeutung,  welche
die  einzelnen  Produktionsländer  hiefür  besitzen.  An  diese  reiht  sich  naturgemäß  die
Darstellung  des  Güteraustausches  zwischen  den  verschiedenen  Produktionsgebieten  des
Welthandels  und  der  Stellung,  welche  die  verschiedenen  Völker  darin  einnehmen.  Zum
Schlüsse  soll  versucht  werden,  das  Ergebnis,  das  die  wirtschaftliche  Thätigkeit  für  ihren
Wohlstand,  für  die  Höhe  des  Volkseinkommens  und  Volksvermögens  in  den  einzelnen ­
  Ländern  hatte,  übersichtlich  zur  Darstellung  zu  bringen.
Boden  und  Bevölkerung.
Flächeninhalt  und  Bevölkerung  der  einzelnen  Staaten.
Die  jüngsten  Zählungen  und  Schätzungen  ergeben  für  die  einzelnen  Staaten  und
die  von  ihnen  beherrschten  Gebiete  die  in  der  auf  S.  888  bis  891  folgenden  Tabelle
zusammengestellten  Zahlen.
Diese  Ziffern  reden  eine  eindringliche  Sprache.  Sie  sind  ein  Beleg  für  das,  was
in  dem  vorangegangenen  Abschnitte  über  die  Bildung  großer  Wirtschaftsgebiete,  über  die
Macht-  und  Wirtschaftspolitik  der  großen  Weltmächte  gesagt  wurde.
An  der  Spitze  aller  Knlturstaaten  steht  in  Bezug  auf  die  Ausdehnung  seines  Machtkreises ­
  England;  rund  ein  Viertel  der  bewohnten  Erde  und  ein  noch  größerer  Teil  ihrer
Belvohnerschaft  —  einschließlich  Ägyptens  und  des  Sudans  25,7%  —  gehören  dem
britischen  Weltreiche  an.  Während  die  englischen  Staatsmänner  in  ihren  Reden  beteuerten, ­
  daß  „der  Grundzug  der  englischen  Politik  ein  strenger  Konservatismus  sei,
tveil  England  wünsche,  daß  die  Dinge  so  verbleiben,  wie  sie  sind,  weil  es  nach  außen
hin  nichts  begehre",  hat  das  britische  Reich  seinen  Gebietsumfaog  seit  1866  von
12,8  auf  32,17  oder  mit  Einrechnnng  Ägyptens  und  des  Sudans  sogar  auf  34,ie  Millionen
Geviertkilometer  ausgedehnt.  Scheinbar  war  es  ein  friedliches  Wachstum  und  thatsächlich
geschah  es  ohne  Zusammenstoß  mit  einer  gesitteten  Macht,  durch  Verträge  mit  Barbarenstaaten, ­
  hei  deren  Abschluß  allerdings  dann  und  wann  mit  sanfter  Gewalt  nachgeholfen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.