Religiöse Bewegung; Luther.
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Kurfürst Friedrich der Weise und der von Anbeginn luther—
feindliche Kurfürst Joachim von Brandenburg wurden fast
handgemein. Gleichzeitig ließ Kurfürst Friedrich geheime Ver—
handlungen mit dem kaiserlichen Beichtvater Glapio führen,
einem klugen französischen Franziskaner, der einer weitgehenden
Reformation der Kirche im Sinne der konziliaren Bestrebungen
des 15. Jahrhunderts nicht abgeneigt schien; Friedrich wollte
sehen, bis zu welchem Grade etwa bei dem Kaiser ein Ent—
gegenkommen gegenüber Luther zu erwarten wäre. Es waren
hange Tage; „der Mönch,“ berichtete die Frankfurter Gesandt—
schaft nach Hause, „macht viel Arbeit; es wollte ihn ein Teil
gern ans Kreuz schlagen; fürchte, er wird dem kaum entrinnen;
allein ist zu besorgen, wo es geschehe, er wird am dritten Tage
wieder auferstehen.“
Am 19. Februar antworteten die Stände dem Kaiser.
Sie traten ihm nicht grundsätzlich entgegen. Aber sie meinten,
ohne weiteres dürfe man Luther nicht ächten, da der gemeine
Mann an vielen Enden aus Luthers Predigten, Lehre und
Schrift allerlei Gedanken, Phantasie und Pläne gefaßt habe,
so daß aus seiner Bestrafung ohne Verhör leicht Unruhe und
Empörung erwachsen könne. Darum solle man ihn unter
sicherem Geleit kommen lassen und verhören. Freilich: dis—
putieren dürfe man mit ihm nicht. Er solle lediglich auf die
Frage antworten, ob er auf dem beharre, was er wider den
h. Glauben habe ausgehen lassen. Widerrufe er hier, so könne
man mit ihm über die andern „Punkte und Sachen“ dis—
putieren. Widerrufe er nicht, so würden die Stände das
ächtende Mandat Sr. Majestät unterstützen.
Den Ständen war die dogmatische Opposition Luthers
zuwider, gleichgültig, ob sie dieselbe verstanden oder nicht; seine
Rechtfertigungslehre sollte er abschwören. Wäre das aber ge—
schehen, so dachten sie ihn als Führer der allgemeinen Oppo—
sition gegen die kirchlichen Mißbräuche zu hören und auszunutzen!.
Diese Auffassung ist gesichert durch die in Aleanders Bericht vom
27. Februar 1521 (Brieger Nr. 1)) gegebene Umschreibung der Antwort
der Stände.