Full text : Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

346 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel.

Bewegung angeht, weder auf Seite der Herren, noch auf Seite
der Bauern; seine Wünsche sind: Vermeidung von Blutver⸗
gießen und Einsetzung eines Schiedsgerichts aus sozialen Klassen,
die seiner Meinung nach an den revolutionären Vorgängen un—⸗
beteiligt sind, aus Grafen und Stadträten. Von diesem Stand⸗
punkte aus fordert er nach beiden Seiten hin auf zum Frieden.
Aber das ist für ihn nur die eine Seite der Sache. Mit
dem Instinkte des religiösen Genies hat er zugleich den schwärme—
rischen Grundcharakter der Zwölf Artikel und damit des
größten Teils der süddeutschen Bewegung gewittert. Und hier—
gegen wendet er sich aufs eindringlichste. Er wird nicht müde,
zu betonen, daß Lügenprediger und tolle falsche Propheten in
diesen Artikeln das Evangelium mit revolutionären Forderungen
verknüpft haben. Darum ist er mißtrauisch auch gegen be—
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erscheinen, und aufs klarste verurteilt er das dieser Motivierung
zu Grunde liegende religiöse Denken. Das Reich der Religion
ist ihm transscendental; die Schwärmer aber haben es zu einem
Reich von dieser Welt gemacht. So sehen sie auch die Freiheit
eines Christenmenschen im äußerlichen Freisein. Hiermit will
Luther nichts gemein haben. Ihm bleibt die religiöse Welt ein
Noli me tangere, das keine weltlichen Sorgen erschüttern
können, von der sich daher auch keinerlei Theorien revolutio⸗
nären Handelns ableiten lassen, selbst in dem Falle nicht, daß
das Recht auf Seiten der Unterdrückten stünde.
So war Luthers Standpunkt zur bäuerlichen Revolution
von vornherein entschieden: energischer Kampf gegen die
schwärmerische Bewegung, wo nur immer sie mit der Revolution
verquickt schien; Mahnung zum Frieden an alle, die die Grenzen
herkömmlichen Rechtes überschritten; entschiedenste Verdammung
derer, die sich gegenüber Rechtsüberschreitungen der Obrigkeit
gewaltsam, etwa gar auf religiöse Motive gestützt, Recht zu
verschaffen suchten.

Und es war klar, daß sich Luthers starke Seele nicht enthalten
würde, diesen Standpunkt bei zunehmender Empörung noch offener
zu bekennen. Am 6. Mai 1225 erschien seine Schrift „Wider
            
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