Kaiser Maximilian J.; Königtum und Reichsstände. 39
fahrt. Und schon im Jahre 1506 hatte er den Zug vorbereitet.
Vor allem mußte da der Durchzug von sterreich nach Mittel—
ttalien gesichert werden. Er führte zunächst durch das vene—
lianische Gebiet, das sich von der Lagunenstadt weit nach Osten
bis ins Friaul und westlich bis über Bergamo erstreckte. Nun
erhob aber die Signorie Schwierigkeiten; sie wollte Maximilian
wie einst König Friedrich III. nicht mit einem Heere, sondern
nur mit einem Reisezug ihre Staaten durchmessen lassen. Und
sie fand Rückhalt an Frankreich wie an Aragon: weder
Ludwig XII., der Herr des Venedig benachbarten Herzogtums
Mailand, noch König Ferdinand, der zugleich Neapel beherrschte,
waren einem Erscheinen der deutschen Macht südlich der Alpen
günstig.
Unter diesen Umständen wurde für König Max die Haltung
der schweizerischen Eidgenossen von großer Bedeutung; traten
sie für ihn ein, so ließ sich von Westen her in Italien ein—
brechen und war gleichzeitig dem Könige von Frankreich der
Hauptwerbeplatz für seine Heere verschlossen. Max begann
deshalb sofort mit den Eidgenossen zu verhandeln; aber ver⸗
zebens: sie waren durch einen Vertrag an Frankreich gebunden
und hielten an diesem fest.
Es war ein erstes Vorzeichen kommenden Mißerfolgs.
Bald folgte ein zweites. Anfang 1508 mußte festgestellt werden,
daß von der Beihilfe, die der Konstanzer Reichstag versprochen
hatte, an Mannschaft zu Roß und zu Fuß noch nicht ein ganzes
Tausend, an Geld nur 30—40000 Gulden eingekommen waren;
der Einmarsch in Italien schien unmöglich.
Aber Max unternahm trotz allem den Zug; durch Tirol
drang er südwärts. Freilich sah er bald ein, daß schon der
nun unvermeidliche Kampf gegen Venedig ihn auf unabsehbare
Zeit in Anspruch nehmen werde, und so nahm er am 4. Februar
1508 mit Zustimmung des Papstes zu Trient resigniert den
Titel eines erwählten römischen Kaisers an bis auf die Zeit,
da er die Krönung in Rom erlangen werde. Der Krieg mit
Venedig aber verlief unglücklich; die Venetianer besetzten fast
zanz Istrien, und schließlich fiel auch Fiume ihnen zu, der