Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

486 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
Nimwegen Frankreich zugesprochen hatten. Was ließ sich auf 
diese Weise nicht alles erwerben: die Grafschaften Mömpelgard, 
Salm, Saarbrücken und Sponheim, die Pfalzgrafschaften Veldenz 
und Lützelstein, das Fürstentum Pfalz-g8Zweibrücken; all diese 
Territorien, nicht zu reden von zahlreichen kleinen Herrschaften 
und Ortschaften weit umher bis gegen Mannheim im Pfälzischen 
und bis in die Eifel und den Hochwald hinein im Kurfürsten⸗ 
tum Trier: sie alle sollten das neue Recht mit dem Übergange 
in französische Herrschaft besiegeln. 
Und damit noch nicht genug; zum Rechtsbruche kam, ihn 
krönend, nackte Gewalt. Der Krone des Elsasses, die dem 
Ganzen erst Glanz und Zusammenhalt verlieh, der Reichsstadt 
Straßburg, ließ sich selbst mit Reunionstribunalen nicht bei— 
kommen. So geschah es mit der ultima ratio regum. Mitten 
im Frieden wurde so heimlich wie möglich gegen die Stadt 
eine Armee von 35000 Mann aufgeboten; einer so großen 
Macht glaubte man zu bedürfen; und in einer einzigen Nacht, 
vom 27. zum 28. September 1681, tat sie ihr Werk. Die 
Bürgerschaft, des Kommenden gewiß, es nicht billigend, aber 
wie vom Blicke des Basilisken gelähmt, nahm auf sich, was 
man ihr zumutete. In der Kapitulation des 80. September 
huldigten die alten Stadtbehörden und die Stadtgemeinde 
dem Könige von Frankreich als souveränem Herrn und Pro— 
tektor; der Stadt wurde die Freiheit der Kulte auf Grund 
des Normaljahres 1624 gewährleistet; doch wurde das Münster 
katholisch und binnen einem Jahrzehnt entwickelte sich neben vier 
Fünftel Protestanten ein neues Fünftel katholischer Bevölkexung. 
Vor allem aber wurde Straßburg französische Festung; wenige 
Tage nach der Übergabe schon traf Vauban ein, um neben 
einem neuen Wall die Zitadelle mit dem Blicke nach Osten zu 
errichten; und in den Worten Clausa Germanis Gallia faßte 
die Zeit den Inhalt des Ereignisses zusammen. 
Wie zum Hohne noch dazu auf Recht und Vergangenheit, 
zur Besiegelung jedenfalls der nun vollendeten Politik der 
Reunionen und des Raubes hielt König Ludwig XIV. am 
23. Oktober in Person einen glänzenden Einzug; an der
	        
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