Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

188 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapize.. 
Fürsten tüchtige Anfänge von Territorialarmeen, denen es schon 
in den Kriegen des sich neigenden Jahrhunderts sich zu be— 
währen vergönnt war!. 
Indes das alles war um 1681 erst im Werden. Und 
bedurfte man nicht unter allen Umständen außerhalb der losen 
Verpflichtungen der Reichsverfassung des engeren Zusammen⸗ 
schlusses, wenn auch nur zum Zwecke der Selbsterhaltung? Es 
war eine Frage, die selbst dem Kaiser in dieser Form nahe 
trat. Denn das Vorgehen Frankreichs im Elsaß war weit 
davon entfernt, eine isolierte Handlung zu sein. Gleichzeitig 
wühlten französische Gesandte bei den Ostmächten, vor allem 
bei der Türkei, und französische Agenten unter den aufsässigen 
Ungarn gegen den Kaiser; und daß in ihm das Haus Habsburg 
gemeint war, zeigten die Wegnahme der Festung Casale in 
Piemont am gleichen Tage mit der Üerrumpelung Straßburgs 
und die bald verwirklichten Anschläge auf das spanische Luxem⸗ 
burg: neben der österreichischen galt es der spanischen Herr— 
schaft in den Niederlanden und in Italien. 
Der Mann indes, der die Bedeutung all dieser Vorgänge 
am tiefsten ergriff, der in ihnen ein Attentat auf die Freiheit 
gewiß auch seines Vaterlandes, vor allem aber auf den Bestand 
der europäischen Staatengemeinschaft sah, war nicht der Kaiser, 
sondern Wilhelm, der letzte große Oranier. Er wird von nun 
ab die Seele des Widerstandes gegen Ludwig, und ihm ist 
dies edle Wild gefallen. 
Für Deutschland war Wilhelms rechter Arm lange Zeit 
hindurch der uns schon bekannte Graf Waldeck. Früher in 
brandenburgischem Dienste, fand er jetzt, zur Herstellung 
festeren Widerstandes im Reiche gegen Frankreich, Gelegenheit, 
seine alten Unionsgedanken wieder aufzunehmen. Und ganz 
im kleinen hatte er schon einen Kern künftigen Widerstandes 
gebildet; im September 1679 war unter seiner Leitung in 
Frankfurt a. M. ein Verein von Herren und Fürsten der 
Wetterau, des Westerwaldes und der Eifel zu gemeinsamer 
Val. dazu schon Band VII-2 S. 482.
	        
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