Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

556 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
Verlaufe sein Ruhm die wahrlich nicht geringen' Verdienste Max 
Emanuels von Bayern überstrahlen und den hohen Ruf Ludwig 
Wilhelms von Baden überflügeln sollte. 
Bei den Türken hatte in dieser Zeit der Sultan Mustafa II. 
selbst den Oberbefehl übernommen. Er ging im August 1697 
von Belgrad aus zum Angriffe vor und nahm rechts der 
Theiß den Weg auf Szegedin, um nach Einnahme der schwach 
besetzten Festung auf diese gestützt und gegen kaiserliche An— 
griffe von Westen her sicher östlich in Siebenbürgen ein— 
zudringen. Es war ein Plan, den Eugen alsbald zu vereiteln 
suchte, indem er den Türken bei ihrem Marsche gegen Szegedin 
auf den Füßen folgte. So war es diesen denn nicht möglich, 
Szegedin zu nehmen; noch vor der Stadt versuchten sie auf das 
linke Ufer der Theiß bei Zenta zu entkommen und legten rasch 
Schanzen vor der Brücke am rechten Ufer an, um sich dahinter 
gegen das nachfolgende christliche Heer zu verteidigen, bis der 
Ubergang über den Fluß vollzogen werden konnte. Aber Eugen 
war nicht der Meinung, daß Zenta den Türken Szegedin ersetzen 
sollte. Unverweilt griff er sie an, am 11. September 1697. 
Und nun entspann sich eine mörderische Schlacht, die mit der 
gänzlichen Niederlage des Sultans und seiner Flucht unter 
Hinterlassung einer noch nie so kostbar befundenen Beute endete. 
Es war der große Schlußakt des Krieges gegen die 
Türken. Denn war es auch zu spät im Jahre, um den Sieg 
noch durch die Rückeroberung der großen Donaufestungen, 
namentlich Belgrads, zu krönen, und unternahm Eugen nur 
noch einen hastig geführten Feldzug nach Bosnien, wobei er 
bis nach Serajewo vorstieß und Schrecken unter den Musel— 
männern, Freude unter den Christen der inneren Bergländer 
verbreitete, so war doch die politische und moralische Wirkung 
des großen Sieges so bedenklich, daß sie den Türken die Fort⸗ 
führung des Kampfes versagte. Da zeigten sich jetzt die 
Venezianer zu neuem Vordringen gegen die türkische Südfront 
entschlossen, während die Fürsten der Moldau und Walachei 
auf Verrat sannen, mit dem Kaiser in geheime Verbindung 
traten und der Unterstützung durch den nach Byzanz kriegerisch
	        
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