Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 567 
Inzwischen aber hatte der Krieg längst begonnen. Er 
wurde auf drei Schauplätzen geführt, in Oberitalien, in Süd⸗ 
deutschland und in den Niederlanden mit dem deutschen Nord⸗ 
westen; folgerecht entwickelte sich dabei der mittlere Schauplatz 
auch zum zentralen, und die Ereignisse gipfelten in einem un— 
mittelbaren Angriffe auf psterreich selbst. 
Oberitalien wurde zur Bühne kriegerischer Vorgänge, in 
denen sich das Genie Eugens von Savoyen gegenüber der 
ceichen Erfahrung französischer Heeresleiter bewährte. In der 
Schlacht von Carpi, am 9. Juli 1701, wurde Catinat ge— 
schlagen, in der bei Chiari, am 1. September 1701, Villeroy. 
Und es gelang sogar, in einem kühnen Handstreich auf die 
Festung Cremona am 1. Februar 1702, Villeroy mitten aus den 
Seinen heraus gefangenzunehmen. Dann freilich wandte 
sich wenn nicht das Verdienst, so doch das Glück. Eugen sah 
siich von Wien aus in Stich gelassen: so früh schon trat die 
bekannte österreichische Finanznot ein, die freilich auch sonst 
ständige Begleiterin der Söldnerheerkriege des 17. und 
18. Jahrhunderts gewesen ist. So sah Eugen sein Heer im 
Jahre 1702 auf etwa 30000 Mann begrenzt: und ihm stand 
jetzt der Herzog von Vendome mit 80000 Mann gegenüber. 
Dennoch behauptete Eugen noch das Schlachtfeld von Luzzara, 
am 15. August 1702, und vereitelte damit ein Eindringen 
der französischen Armee in die Flanken sterreichs, wie es 
Ludwig XIV. gerade von dieser Armee erhofft hatte. Gegen 
Schluß des Jahres aber verließ Eugen den Kriegsschauplatz, 
um die Präsidentschaft des Hofkriegsrates in Wien zu über— 
nehmen, der, sollten die schweren Zeitläufe glücklich uberwunden 
werden, an erster Stelle einer Reform bedurfte; und im Juni 
1703, zu einer Zeit, da das Unglück gegen Osterreich ent— 
hedend anzudrängen schien, hat er diese auch endlich durch— 
gesetzt. 
Auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatze hatte unterdessen 
der Feldzug mit der Eroberung der rheinischen Festungen des 
französisch gesinnten Kölner Kurfürsten begonnen; Kaiserswerth, 
Rheinberg, Bonn waren genommen worden. Dann waren die
	        
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