Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 729
Aussicht. Natürlich meinte man in Frankreich, daß das
unter allen Umständen verhindert werden müsse. Ja es
erschien dies im Jahre 1733 als eine um so dringlichere Auf⸗
gabe, als damals mit der französischen Thronkandidatur
Leszezynskis in Polen überhaupt ein Schritt gegen Hsterreich
unternommen wurde, und als in dieser Zeit, wie wir schon
wissen!, das spanisch-bourbonische Haus bereit war, gegen den
italienischen Besitz des Hauses Habsburg vorzugehen.
Furwahr eine anscheinend für Frankreich überaus günstige,
für Ästerreich ziemlich gefährliche Kombination! Und aus
ihr ist denn in der Tat im Jahre 1734 ein allgemeiner
Angriff der beiden bourbonischen Mächte gegen Osterreich
hervorgegangen.
Da lag es gewiß im Interesse Karls VI., seine
Bundesgenossen zur Hilfe anzuspornen. In Betracht kamen
hier vor allem Rußland und Preußen. Und Rußland kam
dem Hause OÖsterreich auch in Polen bereits gegen Schluß
des Jahres 1738, wennschon zugleich im eigensten Interesse,
auf wirksame Weise zu Hilfe. Als aber Preußen dies für
den drohenden Angriff Frankreichs am Rheine in gleicher
Weise tun wollte und eine Hilfsarmee von 50000 Mann
anbot — wies man das in Wien zurück: die im Vertrage
von 1728 ausbedungene preußische Hilfskraft von 10000 Mann
werde genügen. Was konnte die Ursache dieser Haltung sein?
hatte man Grund sich in Berlin zu fragen. Und man meinte:
nichts als die Furcht, daß Preußen den Anlaß benutzen
werde, die Jülich-Bergische Erbfolgesache in seinem Sinne zu
regeln: wozu zu helfen sich doch im Grunde der Kaiser ver—
pflichtet habe! —
Inzwischen, imgrunde schon im Sommer 1738, hatte der
Krieg gegen sterreich begonnen: in dieser Zeit eroberten die
Franzofen das wehrlose Lothringen, um dann jenseits des Rheins
Kehl einzunehmen und Philippsburg zu belagern. Darauf,
im Sommer 1734, fiel Philippsburg — und nun schleppte sich
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