Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 475 
ihn, neben einigen ständigeren Neigungen glücklich zu machen 
schien. 
In dieses Milien und um diese Thyrsophoren gruppierte 
sich nun die übrige diplomatische Welt: die stillen, ernsten 
Preußen Hardenberg und Wilhelm von Humboldt; der bisweilen 
—D—— später in Wellingtons 
Schatten geriet; von den russischen Geschäftsführern der Freund 
— Pole, dessen Geschlecht 
auch durch einige Frauen vorteilhaft vertreten war, und Graf 
Capodistrias, der schon damals Befreiungsplänen für sein Volk 
nachsinnende Grieche. Für sich aber stand, neben und in diesem 
diplomatischen Walde eine einsame Eiche, der Freiherr vom 
Stein: noch immer trotz aller Pariser Erlebnisse der Beherrscher 
zahlreicher Neigungen und Anschauungen des Zaren und von 
großem Einflusse auch noch auf die preußische Meinung. 
Die erste Aufgabe des zusammengetretenen Kongresses war 
aatürlich die Feststellung der Geschäftsordnung. Eine keines⸗ 
wegs bloß formelle Aufgabe! Denn hier mußte sich, wie einst⸗ 
mals bei den Problemen der Geschäftsordnung der Konzilien 
des 15. Jahrhunderts, entscheiden, wer überhaupt als voll⸗ 
beteiligtes europäisches Mitglied zu den Geschäften hinzu— 
gezogen werden solle und wer nicht. Es war, betrachtet man 
zie Frage recht, gegenüber der wichtigsten Materie, die der 
Kongreß überhaupt behandeln sollte, gegenüber der Gebiets⸗ 
cegelung, die sich ja die vier alliierten Mächte allein vor— 
hehalten hatten, das Problem der Zulassung oder Nichtzulassung 
Frankreichs. Und da gelang es nun Talleyrand in seiner 
hrutalen Weise, die ihm den Begriff des Alliierten überhaupt 
zu leugnen gestattete — denn gegen wen wollten denn die 
Alliierten überhaupt noch Krieg führen? —, Frankreich tat⸗ 
sächlich einzuschwärzen. Es war zu Anbeginn der ernsteren 
Geschäfte alsbald die größte Revolution: es war für lange 
Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts die Erklärung der Pent— 
irchie der europäischen Mächte. 
Und nun hatte man eine Mehrheit: gegenüber den Wunschen 
Preußens und Rußlands eine Mehrheit von Osterreich, England,
	        
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