132 Hierundzwanzigstes Buch. 5weites Kapitel.
Beethovens „Fidelio“ der letzten Weisheit Mozarts. Gleich⸗
wohl war damit noch nicht alles versucht, geschweige denn er—
reicht. Beethovens Werk hat auf die Bühnenpraxis der Oper
zeringen Einfluß gehabt, da es erst in den zwanziger und dreißiger
Jahren des 19. Jahrhunderts beliebter zu werden begann; bei
Mozart war trotz allem noch zu viel vom italienischen Schema
zurück geblieben. Und die klassizistischen Epigonen, Winter,
Lindpaintner, auch Franz Lachner, haben daran wenig ge—
ändert. Ja selbst Ludwig Spohr (1784 -1859) gelang es
noch nicht, sich von den Schwierigkeiten einer Zwischenentwick—
lung völlig zu lösen. Er war sich deren zwar bewußt; und
er wollte romantisch schaffen. Allein in seinen Opern, deren
wichtigste Faust und die auch heute noch aufgeführte Jessonda
waren, trieb doch mehr eine klassizistisch objektive als eine
subjektive Romantik ihr Wesen: Geister und Hexen traten zwar
auf, wie ein exotisches Kolorit gesucht wurde, allein genügten
diese Requisiten schon an sich zum romantischen Charakter?
Und gewiß zeigten sich daneben auch schon Symptome einer
mehr innerlichen Abwandlung; die Chromatik wird bevorzugt,
die Modulation wird sprunghaft, und als persönliches Element
findet sich eine gewisse Sentimentalität bei aller zurückhaltenden
Vornehmheit der Tonsprache. Aber daneben bleiben die alten
strengen Formen der Oper — wie in der heute vergessenen
Instrumentalmusik Spohrs die Formen der Symphonie, des
Dratoriums, des Quartetts — erhalten: und das Talent des
Meisters erweist sich nicht als stark genug, um sie in elemen⸗
tarem Neugusse zu wandeln.
Der Held, der hier siegte und damit zum eigentlichen Schöpfer
der romantischen, nunmehr zugleich völlig deutschen Oper wurde,
war Karl Maria von Weber (1786 -1826). Weber war Theater⸗
kind und in der Musik bis zu einem gewissen Grade Dilettant;
unstät in der Welt umhergeworfen, hatte er die verschiedensten
Lehrer gehabt und sah sich im Grunde der allgemeinen Zeit⸗
strömung und seinem eigenen Talente überlassen. Diese aber
ergriff er mit jener starken Energie, die ihm überhaupt eigen
war und ihn alsbald auf das Dramatische verwies, hierin