Die Spätromantik.
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Haydn unähnlich, mit dem sich die Art seines musikalischen
Emporkommens im übrigen in mancher Hinsicht vergleichen läßt.
So war es eigentlich selbstverständlich, daß er weniger in den
technischen Kleinformen der Musik als ins Große hinein ein
Reuerer war. Stellt man seine Klaviermusik, der so unverwüst⸗
liche. Stücke wie die „Aufforderung zum Tanz“ angehören,
neben diejenige Beethovens, so ist harmonisch eigentlich kein
großer Unterschied; manche Stellen könnte man geradezu für
Eigentum Beethovens ansprechen. Allein das Gigantische
fehlt; der Titan schläft; und auch technisch wird der Einfluß
der Instrumentalmusik vermißt: das Klavier Webers ist kein
kleines Orchester. Dagegen treten romantisch objektive Mo—
mente neu hervor: Volkstum, Märchenwelt, Zeichen und
Wunder: und ihnen entspricht eine besondere Behandlung des
Klaviers. Doch ist damit Webers Musik noch nicht gänzlich
erklärt: sie ist zugleich auch dick, packt zu, operiert mit ge—
waltigen Spannungen und großen Griffen, wie denn Weber
über Finger von übernormaler Länge verfügte: kündet den
Dramatiker an.
Die neue romantische Oper hat Weber in Dresden geschaffen,
wo er seit 1816 ein stetigeres, wenn auch nicht unbestrittenes
Heim fand; als Dirigent der deutschen Oper mußte er sich erst
gegen die von Hof und Adel geliebte italienische Konkurrenz unter
Morlacchi durchsetzen; als Komponist der Freiheitslieder Körners
war er politisch verdächtig. Es war fast wie eine Vorweg—
nahme der Erfahrungen Richard Wagners in Dresden. Und
wie eine Vorstufe der Tätigkeit Wagners erscheint auch sonst
die Dresdner Zeit des Meisters. Wie dieser nutzte er in
seiner amtlichen Stellung die Erfahrungen einer der Bühne
nicht fernstehenden Jugendzeit aus: griff in die Rechte des
Regisseurs ein, drillte die Sänger zu Schauspielern. Und all
die Ergebnisse, die sich bei solchem Tun einstellten, wurden in
seinem musikalischen Schaffen für die Bühne doppelt lebendig.
Damit schwand denn die alte, noch immer herrschende Vor—
stellung, daß die Arie das konstituierende Element der Oper
sei; an ihre Stelle trat Lied und Szene; und die damit