Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

384 Vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
sehen: sterreich mußte bleiben, wie es im 16. bis 18. Jahr⸗ 
hundert gewesen war. 
Nun schienen aber gerade in Preußen durch Stein und 
Hardenberg die nationalistischen und liberalen Ideen Boden 
zu finden. Daher durfte Preußen bei der Ordnung der 
deutschen Verhältnisse auf keinen Fall bevorzugt werden: wie 
leicht hätte sonst sein Staatsziel siegen, die in ihm gepflegte 
Anschauung sich nach Österreich verbreiten können. 
Indem aber Ästerreich so gegen Preußen ein- und auftrat, 
traf es zugleich auch die Meinung der neubegründeten König⸗ 
reiche im Süden sowie des mit England in Personalunion 
verbundenen Hannovers: denn diese Königreiche wollten als 
Preußen ebenbürtig angesehen werden und vermochten dies nur, 
wenn Preußen gedrückt wurde. 
Unter diesen allgemeinen Voraussetzungen etwa begannen 
die Verhandlungen über die Frage der künftigen deutschen Ver— 
fassung. 
Auf Steins Betreiben war die Ordnung der deutschen 
Verhältnisse von den Alliierten als eine ausschließlich deutsche 
Sache einem Ausschuß von österreich, Preußen, Bayern, 
Württemberg und Hannover, der sogenannten Pentarchie, über— 
tragen worden. Für diesen Ausschuß legte Hardenberg am 
13. September 1814 zunächst dem Fürsten Metternich einen 
Entwurf vor, und dieser wurde dann von Metternich stark ver⸗ 
wässert am 14. Oktober 1814 dem Ausschuß übergeben. Hier 
fand er aber, als viel zu weitgehend, vor den kleinen König— 
reichen keine Gnade. Wrede protestierte im Namen des „bayri⸗ 
schen Nationalstolzes“, Württemberg fand es unglaublich, daß 
man „aus verschiedenen Völkerschaften, wie Preußen und Bayern, 
sozusagen Eine Nation machen wolle“. 
Am 16. November 1814 war man soweit, daß, zur 
Freude Metternichs, die Pentarchie unverrichteter Dinge aus— 
einanderging. 
Aber nun regten sich die kleinen deutschen Souveräne, 
welche bisher vergebens gebeten hatten, sie mit beraten zu 
lassen. Sie wollten weit eher auf einzelne Rechte zugunsten
	        
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