198 J Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
einen meist stark ethisch und christlich gewandten, im Grunde
aber schon spekulativen Theismus hinauslief. Sie gruppierten
sich im Jahre 1837 um die Zeitschrift für Philosophie und
spekulative Theologie: von den Theologen Nitzsch, Neander,
Rothe, Twesten; von den Philosophen Burdach, Steffens,
Weiße und der Sohn des alten Fichte. Später ist die Strömung
dann namentlich durch den Halleschen Philosophen Alrici ver⸗
treten gewesen; nahe stand ihr auch Moritz Carriere in München.
Grundrichtung dieser Kreise war es, die in Hegels System
gegebenen Elemente des Dualismus fortzubilden. Allein das
mußte sie, so sehr sie im übrigen vielfach vom Hegelschen
Denken abhängig blieben, doch sehr bald zum Kampfe mit
dem innersten Geiste aller und so auch des Hegelschen Identi—
tätssystems führen: und so trat die Polemik gegen Hegel auch
bald äußerlich stärker hervor und führte in den freidenkenden
protestantischen Kreisen während der vierziger Jahre in eben der
Zeit zu einer starken Reaktion gegen Hegel, da Trendelenburgs
logische Kritik den Glauben an die Richtigkeit des dialektischen
Mechanismus im Bereiche der Gebildeten zu erschüttern begann.
Löste sich damit die Rechte der Hegelianer in ihren ex⸗
tremen Durchbildungen nach links und rechts — und damit
nicht minder in den unzähligen Zwischenstufen zwischen diesen
Durchbildungen — allmählich derart auf, daß der Ertrag für
eine wirklich christliche Frömmigkeit, geschweige denn eine
Kirchenbildung nicht eben nennenswert war, so war von der
großen Linken der Hegelianer von vornherein nichts anderes
als Kampf gegen die bestehenden Kirchen und das hergebrachte
Dogma zu erwarten.
In der Tat schwenkte schon bald nach dem Tode des
Meisters diese Linke, die Partei der sogenannten Junghegelianer,
unzweideutig zum Pantheismus ab, leugnete die persönliche Un—
sterblichkeit und stellte die Persönlichkeit Gottes und die Gott⸗—
menschheit Christi in Frage. Wie aber mußte sich diese Partei
gar gekräftigt und zu weiteren Schritten ermutigt fühlen, als
nun, nach den Vorstößen der jungdeutschen Literaten, die ihr
zum Teil zuzurechnen waren, im Jahre 1835 Strauß' Leben