Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

496 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Wehrkraft an die preußische Heeresverfassung; Verschmelzung 
der Marine mit der preußischen; Übergang der diplomatischen 
Vertretung an Preußen; Eintritt in den Zollverein; eine 
oberste Aufsicht und gewisse Eingriffsbefugnisse Preußens in die 
Verwaltung der Post und der Telegraphen. Dagegen sollte 
die ganze innere Verwaltung Schleswig-Holsteins frei sein. 
Dieselben Fragen hatte dann Preußen unmittelbar vor Aus— 
bruch des Krieges, am 14. Juni 1866, nach der Abstimmung 
im Bundestage über die Mobilmachung, in der Form eines 
Projektes der Bundesreform den Bundesstaaten vorgelegt. Da— 
nach sollte an die führende Macht, als welche Preußen gedacht 
war, übergehen: Heerwesen, Marine, Diplomatie, Handels-, 
Zoll⸗ und Verkehrsangelegenheiten, während alles übrige den 
einzelnen Staaten überlassen bleiben sollte: also vornehmlich 
innere Verwaltung, Justiz, Kirche und Schule. Aber diese An— 
träge erschienen diesmal ergänzt durch den Vorschlag, neben die 
Bundesexekutive eine Vertretung des Volkes zu stellen, und 
zwar auf breitester demokratischer Grundlage: einen Reichstag, 
der aus allgemeiner direkter und geheimer Wahl hervorgehen 
sollte. Bismarck durfte hoffen, damit im Grunde doch die 
Meinung, ja Sehnsucht jedes Deutschen zu treffen. In der 
württembergischen Kammer war schon früh im dahre 1866 
die Forderung eines deutschen Parlaments gestellt worden. In 
Bayern waren am 21. Mai, in Hannover am 29. Mai ähnliche 
Beschlüsse gefaßt worden; und am 11. Juli hatten sich in 
Sachsen beide Kammern der Stände auf den schon bestimmter 
formulierten Antrag geeinigt: „Die Regierung möge energisch 
dafür wirken, daß die Einberufung des deutschen Parlaments, 
keiner Delegiertenversammlung“ — wie sie Hsterreich vor⸗ 
geschlagen hatte —, „vielmehr einer Versammlung auf Grund 
direkter Wahlen, in ganz Deutschland und längstens im künftigen 
Monat erfolge.“ In Hessen-Darmstadt aber hatte, noch weiter 
gehend, die Regierung am 10. Juni erklärt, sie strebe danach, 
daß „die Einigung des deutschen Volkes in einem freigewählten 
Parlament als Ziel des drohenden Kampfes erstrebt und er— 
rungen werde — in einem Parlament, das, mit der Fülle
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.