Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst.

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für die Gestalten wie die landschaftliche Umgebung. Indes indem
beides, Gestalten wie Landschaft, einem durchaus idealplastischen
Prinzip der Formgebung unterworfen worden war, ergab es sich
als notwendig, daß dies Prinzip auch den Raum erfaßte, in dem
Landschaft wie Gestalten lebten. Hier lag die schwerste Auf—
gabe: unablässig hat Böcklin daran gearbeitet, die plastische
Stärke der Raumwirkung zu erhöhen. Soweit hier die Linear—
—DD00 der
Kunst der Anordnung der landschaftlichen Kulissen zusammen;
daneben kamen Tiefe des Horizonts gegen den beherrschenden
Aufbau der Figuren im Vordergrund, Durchschneiden der
Pflanzenwelt und tausend andere Hilfsmittel in Betracht. Voll
verwirklicht aber konnte die neue Absicht doch nur werden im
Bereiche der Farbe und des Lichtes. Und da der Meister hier
bei der plastischen Wirkung des Vordergrundes auf das starke
Spiel der Widerscheine in wassergesättigter Luft und die
Dunstigkeit der Beleuchtung nicht rechnen durfte, wollte er
nicht das Ebenmaß des Ganzen aufgeben, so blieb ihm, der
dem physiologischen Impressionismus Mitteleuropas zeitweis
nicht fern gestanden hatte, jetzt nur noch jene Farbenwelt
zur Verfügung, welche gleichsam atmosphärenfreie klarste Tage
Italiens aufweisen. Und in diesem Bereich kam es dann
darauf an, die überreiche Tonabfolge der italienischen Land—
schaft, deren absolute Differenzen im Raum des Gemäldes
wiederzugeben jeder menschlichen Palette versagt erscheint, doch
in ihren wichtigsten relativen Abständen so einzufangen, daß
der Eindruck einer schier unendlichen Abstufung von vorn nach
hinten erreicht wurde. Das war das Problem, das Böcklin zu
immer neuen Farbenexperimenten trieb, ihn insbesondere nach
einem Malmittel suchen ließ, welches die Farben so dünn auf—
zutragen gestattete, daß der Malgrund, eine weiß grundierte und
blanke Holztafel, durchscheine und die Farben fast wie in einem
Glasgemälde leuchten lasse. Und in einer ziemlich verwickelten
Technik, nach dem Durchproben zahlreicher alter Malweisen,
gelang es ihm, die entsprechenden Mittel zu finden. Er ver—
fügte schließlich über eine Farbenskala, die ihm die Möglichkeit
            
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