Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung.

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zgoistisch-aristokratischen Menschenseele, die durch schweres Leid,
den Tod der geliebten Braut, zur Verzweiflung, ja dicht an den
Abgrundsrand des Selbstmords gebracht wird. Sie rettet sich
durch Mitleid mit den Mühselig-Beladenen dieser Welt und
wird durch treue Arbeit an ihrem Heil emporgeläutert zur
Heiterkeit des Daseins und zum frohen Glauben an die Schön—
seit der Natur und an einen geistigen Urgrund der Welt.
Im übrigen sind die geschilderten Strömungen, wie manch
andere schwächere, die neben ihnen her laufen, wie bereits ge⸗
sagt, keineswegs schon ganz klar und mit völliger Sicherheit
des historischen Urteils auseinander zu halten. Das, was
ihnen im ganzen und großen gemeinsam ist, das ist die Sehn⸗
sucht nach dem Ideale in mystischer Form: jene modernste
Form des Trostes, die im Spannungsgefühl der Sehnsucht
besteht, wie es Nietzsche schildert ....
Nun, da der Tag
Des Tages müde ward, und aller Sehnsucht Bäche
Von neuem Trost dir plätschern ....

Es ist wie ein Schlußakkord der ästhetischen Bewegung gegen
den Intellektualismus. Es setzt ein mit dem Drange nach
Einsamkeit, und es endet mit dem Drange nach Gottversenkung.
Und ist dieser Drang echt und nicht bloß das Spiel eines
überreizten Gemüts, so wird ihm Erhörung nicht mangeln:
klopfet an, so wird euch aufgethan!
D schattenstilles Eiland: Einsamkeit,
Smaragdene Dämmerung, in der das Märchen
Mit großen offnen Augen ruht und lauscht,
Aus deren Blumenkelchen Liebesgeister
Zum Himmel flattern und des Herren Antlitz
So zärtlich schmeicheln: bis es sich entschleiert.
Maria Janitschek.)
Es ist eine Stimmung, der Prosaschilderung nicht gewachsen
ist, die erlebt sein will in der Dichtung:
Färbt der Abend seine Lande blasser,
Wurde dir dein Herz von Frieden weit,
Komm mit mir auf die vertrauten Wafsser:
Selig, wer versteht die Einsamkeit.
            
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