Full text: Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung

$ 2. Das Recht auf Arbeit in der ersten französischen 
Revolution. 
Die Physiocraten haben also das Recht auf Arbeit noch 
nicht gekannt, wie auch natürlich; welchen Sinn hätte es 
auch in einem Zeitalter des Kleinbetriebes und des localen 
Marktes haben sollen? Freilich änderte sich die Scene mit 
einem Schlage in dem Augenblicke, wo in Frankreich die 
Gewerbefreiheit eingeführt wurde (1791) und die Arbeiter von 
den Departements nach Paris strömten um dort Unterhalt zu 
finden. Zu Beginn der französischen Revolution war aber 
die Lage des Arbeitsmarktes in Paris geradezu trostlos. Die 
Folgen einer Jahrzehnte langen schlechten Verwaltung traten 
grell zu Tage; dazu kam noch, dass der Hagel die Ernte des 
Jahres 1789 zerstört hatte und der därauf folgende Winter 
sehr streng war; es war eine furchtbare Krise, unter der das 
ganze Land litt; wohin man blickte, überall Elend und Ver- 
zweiflung! Was Wunder, wenn unter solchen Umständen die 
leidenden Volksmassen ihre Blicke auf den Staat als den Hüter 
des gemeinen Woles richteten, von ihm verlangend was sie 
selbst zu erreichen unvermögend waren: „Unterhalt durch Ar- 
beit. Vom Mai 1789 an errichtete denn auch die Stadt Paris 
im Interesse der Arbeitslosen sogen. Ateliers publics?), 
Staatswerkstätten (travaux. de charite), zu welchem Zwecke ihr 
die Nationalversammlung einen Credit von ı5 Millionen Fr. 
gewährte. Diese Werkstätten wurden jedoch bald der An- 
ziehungspunkt für alles arbeitsscheue Gesindel und vermochten 
die eigentliche Krise nicht zu bannen. Im August 1789 liess 
die Pariser Stadtvertretung auf ihre Kosten eine Broschüre 
drucken unter dem Titel: De la necessite et des moyens 
d’occuper avantageusement tous les gros ouvriers 2), die fol- 
1) Vgl. darüber die Veröffentlichung des französischen Office du travail: 
2 des employ&s, ouvriers et domestiques en France, Paris 1893, 
pP: 54 ff, . 
2) Vel. Le Placement des employ&s etc. a. a. O. p. 54.
	        
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