Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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DEUTSCH!,AND.  —  Land  und  Leute.  Auswanderungen.  197
Auswanderungen.  Ausser  Irland  hat  kein  Land  Europa's  eine  solche
Völkerauswanderung  gesehen,  wie  Deutschland.  Die  natürliche
Neigung  des  germanischen  Stammes  zur  Wanderung  war  es  nicht  allein,
was  diesen  colossalen  Exodus  erzeugte  :  sociales  und  politisches  Uebelbefinden
  wirkte  gewaltig  mit,  um  ihn  herbeizuführen.  Die  Auswanderungen ­
  aus  Deutschland  wurden  um  die  Mitte  der  lS50er  Jahre  sogar
zahlreicher,  als  die  aus  Irland.  Die  ungünstigen  Nachrichten  aus  den
\  ereinigten  Staaten  bewirkten  zwar  im  Jahre  1855  eine  bedeutende  Verminderung; ­
  gegen  18,000  Ausgewanderte  kehrten  sogar  in  ihre  alte
Heimath  zurück.  Auch  fand  seitdem  nur  ein  sehr  verminderter  Fortzug
statt.  Doch  auch  in  dieser  Verringerung  ist  er  noch  immer  ungemein
gross.  —  Alle  Schätzungen  über  die  Grösse  der  Auswanderung  können
nur  als  annähernd  richtig  gelten.  Nach  Olio  Hühner  s  Berechnungen,
die  wir  indess  nach  andern  Materialien  in  einigen  Angaben  modificiren
und  ergänzen,  betrug  die  Gesammtsumme  der  Auswanderer
Deutschland  nach  den  Ver.  Staaten  :

aus

1845
1840
1847
1848
1849
1850

74,000
94,581
109,5:11
81,895
89,102
82,404

1851
1852
1859
1854
1855
1850

112,547
162,301
157,180
251,931
81,098
98,573

1857
1858
1859
1800
1801

115,970
53,200
45,100
49,009
35,427

Bei  den  letzten  Summen  fehlt  die  Zahl  der  über  Havre  Fortgezogenen.
Von  1819—55  war  die  Gesammtsumme,  so  weit  sich  dieselbe  berechnen ­
  Hess  (nach  Gäbler)  1’799,853.  Bringt  man  die  häufig  nicht  eingerechneten ­
  Preussen  und  Deutsch  -  Oesterreicher  überall  mit  in  Anschlag; ­
  berücksichtigt  man,  wie  viele  Auswanderer  auch  noch  nach  andern ­
  Ländern,  namentlich  dem  Britischen  Nordamerika,  Südamerika,
Australien,  sogar  Algerien  wanderten  ;  erwägt  man  dabei,  dass  es  in  der
Kegel  gerade  der  jugendfrischeste  und  kräftigste  Th  eil  unseres  Volkes  ist,
der  auswandert,  so  mag  man  sich  einen  Begriff  von  der  ungeheuem
Grösse  des  Verlustes  bilden.  Will  ipan  nur  das  allermateriellste  Moment
ins  Auge  fassen,  so  berechne  man,  wie  viele  Millionen  Thlr.  nöthig  waren, ­
  die  Fortgewanderten  von  der  Kindheit  bis  zum  Alter  der  Arbeitsfähigkeit ­
  zu  erziehen.  Wenn  unsere  Nation  trotz  dieser  enormen  Einbusse ­
  noch  keineswegs  verkümmert  oder  verkrüppelt  ist  ;  wenn  sie  trotz
alledem  noch  immer  weit  mehr  Elemente  der  Kraft  in  sich  schliesst,  als
jede  andere  Nation  ;  so  liegt  darin  der  beste  Beweis  von  der  physischen
und  moralischen  Trefflichkeit  —  fast  Unverwüstlichkeit  —  der  Deutschen, ­
  und  eine  sprechende  Andeutung,  was  diese  Nation  sein  könnte  !
Städte.  Deutschland  steht  nicht  nur  England,  sondern  selbst  Frankreich ­
  entschieden  nach  an  ganz  grossen  Städten.  Wir  besitzen  deren
zwei  von  mehr  als  einer  halben  Million  Einw.  :  Wien  mit  580,000,
und  Berlin  mit  548,000  (neueste  Zählung  029,000),  dagegen  keine  zwischen ­
  200  und  500,000.  Und  doch  erfreut  sich  das  Städtewesen  in
Deutschland  noch  immer  einer  weit  grösseren  Blüthe  als  im  westlichen
Nachbarlande.  Städte  mit  einer  Bevölkerung  zwischen  100  und  200,000
Menschen  sind  7  vorhanden;  Hamburg  mit  180,000,  München  147,000,
Prag  142,000,  Breslau  140,000,  Dresden  128,000,  Cöln  120,000,
            
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