284 DEUTSCHLAND. — Schleswig-Holstein und Lauenburg Sociales).
Sociales. In Schleswig-Holstein besteht noch eine Ritterschaft, der
gewisse Familien angehören, deren Zahl nur durch Reception vermehrt
werden kann und die in Holstein H adelige Klöster als Versorgungsan
stalten für Töchter besitzt. Die adeligen Güter, deren Zahl gegen 300
beträgt, sind noch in mancher Weise bevorzugt, haben aber in Schles
wig die Patrimonialgerichtsbarkeit verloren. Der Bauernstand, der in
den Marschen und der Mitte des Landes die Iveibeigcnschaft niemals
gekannt hat, bildet die Stärke der Bevölkerung. Auf der Geest geschlos
sene Bauernhöfe , bei freier Theilbarkeit des Bodens in der Marsch. —
Für den Volksunterricht ist seit lange gut gesorgt. Personen, die nicht
lesen und schreiben könnten. finden sich fast gar nicht. — In Lauen
burg sind von den 21 adeligen Gütern noch 15 Lehnsgüter. Früher be
stand die Ritter- und Landschaft nur aus den Besitzern dieser Güter
und den Abgeordneten der 3 Städte. Nach der Verfassung vom 20. Dec.
1853 wählen die Gutsbesitzer den dritten Theil der Landesvertreter (5 .
Die Bauern in den 4 Aemtern, wie in den Gütern, haben durchweg nur
Meiergerechtsame an ihren Höfen. Die landwirthschaftliche Cultur, wie
die Volksbildung, steht daher auf einer niedrigem Stufe.
Die Gewerbe sind in Folge der noch in allen 3 Herzogthümern be
stehenden Zunftverfassung nicht sehr entwickelt. Bedeutendere Fabri
ken kommen in Lauenburg gar nicht vor ; in Schleswig-Holstein beson
ders für Wollen waaren (Neumünster), Zuckerraffinaderie, Papier, Ei
senguss und Maschinenbau.
Der Handel ist in Schleswig-Holstein in Folge der günstigen Lage
zwischen zwei Meeren bedeutend. Die Einfuhr in Schleswig-Holstein der
mit diesem zu einem Zollgebiet vereinigten Eutinschen, Hamburgischen
und Lübeckischen Enclaven im Jahre 1802 betrug 780’300,452 Pfd. zu
einem angegebenen Werthe von 27’423,081 Rthlr. = 20’5G7,700 Thlr.
22*/a Sgr. und die Ausfuhr 40l’307,830 Pfd. zu einem declarirten
Werthe von 20’037,732 Rthlr. = 15'703,200 Thlr. Preuss.
Rhederei. Die Anzahl dengin Schleswig-Holstein zu Hause gehö
renden Schiffe betrug im Jahre 1862 : 21)04 mit 55,55 py* Commerz
lasten, wovon indessen die Insel Arröe mit 327 Schiffen mit 4000 Com
merzlasten gegenwärtig ausgeht. Unter diesen Schiffen befinden sich 18
Dampfschiffe von 412V, Coinmerzlastcn und 010 Pferdekraft. Die Er
heblichkeit der Schifffahrt ergibt sich auch aus der Anzahl von Seedienst
pflichtigen. Diese betrug in Holstein 4984 und an in der Nebenrolle
stehenden über 50jährigen Dienstpflichtigen 1148. Für Schleswig ist
Mann Pferden
Fussvolk . . 34,318 mit 707
Reiterei . . 2,000 - 1070
Artillerie . . 4,054 - 2205
Genie . . . 440 - 30
Zusammen 41,814 - 4084
I Nach dem an die Bundescommis-
I sare am 10. Jan.1851 übergebenen
Berichte zählte d. Heer, einschl.
I 1251 Nichtstreitbare, 43,288 M.,
i worunter nur 5000 Nichtangehörige
I de^Landes. Die Flottille ist dabei
i ungerechnet.
Der Aufwand für das Kriegswesen betrug
1848 .... 83)37,100 Mrk. Crt., wovon 310,053 See-Etat
1840 .... 18T80,780 - 802,302
1850 (Anschlag) 14’920,431 - - - 320,000