E. DIE IDEENREKLAME.
I. Allgemeines.
Wird die Bezeichnung ‚„Personenreklame‘‘ für die Wer-
bung im Interesse einer bestimmten Persönlichkeit, wie bereits
dargelegt, schon vielfach abgelehnt, so wird die Verwendung des
Wortes ‚Ideenreklame‘‘ für die Werbung im Dienste einer
bestimmten Idee in der Regel schon gar nicht gerne gesehen,
Der Grund hierfür liegt teilweise in der in einzelnen Kreisen
noch immer bestehenden Abneigung und in dem Vorurteil
gegen die Reklame als solche, zum Teil in der Ansicht, daß
eine gute Sache die Reklame überhaupt nicht benötigt
und daher durch die Verwendung von Reklame diskreditiert
werde sowie schließlich darin, daß der Organisator einer Re-
klame zumindest dem Anschein von Gewinnsucht ausgesetzt ist.
Aber ebenso wie die beste Ware nur dann gekauft wird, wenn
der Käufer von ihrer Existenz Kenntnis hat, so kann auch die
beste Idee — sei es eine religiöse, nationale oder soziale —
nur dann Anhänger finden, wenn sie verbreitet und für sie
geworben wird. Die Wissenschaft, welche sich bei ihrer For-
schung selbstverständlich von derartigen gefühlsmäßigen
Vorurteilen freimachen muß, betrachtet auch die Reklame für
eine Idee als etwas unerläßlich Notwendiges und von ihrer
Verbreitung Unlösbares.
Dr. E. Lysinski, der die Reklame als übergeordneten
Begriff von Werbung betrachtet, hebt in seinem Werke ‚„Orga-
nisation der Reklame‘ ausdrücklich hervor, daß man zumeist
Werbung und geschäftliche Werbung gleichsetze. Dies sei
jedoch eine sehr engherzige Auffassung, denn die geschäft-
liche Werbung sei nur ein ganz beschränktes Teilgebiet
der Werbung überhaupt. Die Werbung sei ihrer Bedeutung
nach ein unerläßliches Grundphänomen alles Gesell-
schafts- und Kulturlebens; sie sei eines der wichtigsten
Mittel alles Gesellschafts- und Kulturfortschrittes. Diese Auf-
fassung schließt sich dem Prof. Dr. Othmar Spann an. In
seinem ;, Kurzgefaßten System der Gesellschaftslehre“ er-