468 Ministerialrat Dr. Frielinghaus:
Kräfte begünstigte geradezu die Schaffung von Etatsstellen besonders
im Reich, wo der Aufbau der neuen Reichsfinanzverwaltung, der Über-
gang der Eisenbahnen auf das Reich, die Ausgestaltung der Reichs-
ministerien den willkommenen Anlaß zu immer neuen Einstellungen
bot. Hier haben dann auch die Abbauverordnungen am schärfsten ein-
setzen müssen. Hinzu kam die Inflation, die ein sparsames Wirtschaf-
ten fast unmöglich machte, und eine gewisse Großzügigkeit der aus an-
deren Berufen übernommenen Beamten, die die sparsame Art der
preußisch-deutschen Verwaltung als etwas Rückständiges bewußt über
Bord warfen, wobei anstatt Wirtschaftlichkeit oft Ver-
wirtschaftung herauskam. Gewiß, die Methoden der Ver-
waltung sind stark bürokratisch und bedürfen in vielen Behörden noch
immer einer Umgestaltung im Sinne größerer Wirtschaftlichkeit, wobei
manches Privatunternehmen als Vorbild dienen kann. Richtige Aus-
nutzung der Kräfte, Übertragung unwichtiger Arbeiten auf nach-
geordnete Stellen, volle Anwendung der technischen Hilfsmittel, das
sind Forderungen, auf die oft hingewiesen worden ist, und deren
Wichtigkeit auch für die öffentliche Verwaltung nicht übersehen
werden darf, Der Geist der neuen Beamten hat hier durchaus noch
nicht die notwendige Besserung gebracht. Im Gegenteil hat sich man-
cher frühere Kaufmann von den Schlingen der bürokratischen Metho-
den, die ihm geheiligte Formen erschienen, einfangen lassen und ist
stärker darin verstrickt als seine Kollegen der alten Schule, Die
Methoden selbst müssen geändert werden, wobei die heilige Scheu vor
der Oberrechnungskammer und dem Rechnungshof des Reiches nicht
aufgegeben zu werden braucht. Wissenschaftliche Betriebsführung ist
ein Wort, dem wir in unserer wirtschaftspolitischen Lage doppelte Be-
deutung beimessen müssen, und es ist erfreulich zu sehen, wie fast alle
größeren industriellen Betriebe bestrebt sind, sich nach wissenschaft-
lich begründeten Erfahrungssätzen umzugestalten, Das Buch des
Amerikaners Ford hätte bei uns nicht solchen Anklang gefunden, wenn
wir nicht seit Jahren bemüht wären, auf dem gleichen Wege weiter-
zukommen, und nur fehlendes Kapital und fehlender Absatz, nicht
mangelnder Wille oder Einsicht haben unsere Wirtschaftsführer viel-
fach verhindert, dieselben Wege zu gehen. Der Steuerzahler kann aber
verlangen, daß die öffentliche Verwaltung nach gleichen wissenschaft-
lichen Prinzipien arbeitet. Allgemeingültige Regeln lassen sich dabei
nur wenige aufstellen. Der Vorsteher jeder Behörde muß diese Re-
geln für sich ausbauen, und es bleibt nichts anderes übrig, als wie durch
scharfe Kontrollen ihre richtige Anwendung zu sichern, Dazu gehört
auch Pünktlichkeit im Dienst, Zuvorkommenheit gegenüber dem Publi-
kum und nicht zuletzt das Zusammenarbeiten von zahlreichen Arbeits-