Full text : Währung und Handel

Tauschwerth  zu  ändern  brauchte,  wenn  nämlich  mit  dem
Wechsel  des  aufgestapelten  Vorrathes  auch  eine  Veränderung
des  Gebrauchswerthes  Hand  in  Hand  geht.  Es  kann  der  Vorrath ­
  an  Korn  absolut  betrachtet  steigen,  ohne  dass  der  Preis
des  Kornes  sinken  muss,  wenn  gleichzeitig  der  Kombedarf
durch  ein  Wachsthum  der  Bevölkerung  oder  durch  das  Auftreten ­
  eines  neuen  Korn  consumirenden  Industriezweiges  sich
steigert.  Und  ebenso  kann  umgekehrt  der  Kornpreis  auch
hei  einer  Verminderung  der  Ernteergebnisse  der  nämliche
bleiben,  wenn  gleichlaufend  durch  irgend  welche  Ursachen  eine
Verminderung  des  Consums  eingetreten  ist.  Erhält  sich  aber
der  letztere  auf  gleicher  Höhe,  so  muss  Jede  Niveauveränderung
im  verfügbaren  Vorrathe  sofort  auf  die  Preisscala  zurückwirken. ­
  Ganz  das  Nämliche  gilt  für  die  Edelmetalle,  und  eine
gegentheilige  Autfassung  könnte  nur  von  der  Annahme  ausgehen, ­
  dass  yler  Gebrauchswerth  dieser  edlen  Metalle,  die  den
Stoff  zum  (Ttelde,  also  zum  allgemeinen  Werthmesser  geben,
an  keine  Grenzen  gebunden  sei,  dass  der  Tauschwerth  eines
Pfundes  Gold  der  nämliche  bleiben  müsse,  gleichviel,  ob  von
diesem  Stoffe  viel  oder  wenig  vorhanden  sei.
Eine  solche  Auffassung  wäre  jedoch  nicht  nur  irrig,  sie
würde  sogar  das  directe  Gegentheil  der  thatsächlichen  Sachlage ­
  darstellen;  denn  es  gibt  in  Wahrheit  kein  Gut  von  begrenzterem
  Gebrauchswerthe  als  gerade  die  Circulationsmittel.
Wenn  das  Angebot  an  Kleidungsstücken  gross  ist,  und  dem
entsprechend  deren  Tauschwerth  zu  sinken  beginnt,  so  wird  diese
Wohlfeilheit  sofort  eine  Steigerung  der  Nachfrage  hervorrufen
und  dadurch  dem  weiteren  Sinken  des  Tauschwerthes  eine
Grenze  gezogen  werden.  Beim  Korne  ist  diese  Dehnbarkeit
fies  Consums  schon  viel  geringer,  und  daher*  die  Veränderlichkeit ­
  des  Tauschwerthes  viel  grösser;  der  Gebrauchswerth  des
Geldes  dagegen  ist  noch  in  viel  höherem  Grade  unveränderlich, ­
  und  daher  der  Tausch  werth  desselben  lediglich  von  dem
jeweiligen  relativen  Stande  des  Geldvorrathes  abhängig.  Denn
•las  Geld  als  solches  dient  dem  unmittelbaren  Consum  gar  nicht,
cs  ist  lediglich  ein  Instrument  des  Verkehres,  und  ohne  vorhergehende ­
  Veränderung  des  Verkehrsumfanges  kann  daher  das
Hedürfniss  nach  Geld  weder  gesteigert  noch  vermindert  werden.
Wenn  ein  Land  zu  Besorgung  der  dem  Gelde  obliegenden
            
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