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Personentarife.
sind allerdings nicht überall gleich, und gerade in Bezug auf [
die 2. und 3. Klasse scheidet sich das englische Publikum !
viel schärfer als in Deutschland. Während hier die 3. Klasse j
Ableitung des voii Personeii der besseren Gesellschaftsklassen he- |
2. in die 3. Classe nutzt wli'd, gellt die Hauptbeschwerde der höheren eng- ;
lischen Kreise gegen die Beseitigung der 2. Classe auf der j
Midlandbahn, dahin, dass man nun wegen Unterbringung I
der Dienerschaft in Verlegenheit sei, da dieselbe nicht i
in der 3. Klasse fahren wolle, und diea ihr auch nicht wohl |
zugemuthet werden könne. i
Möchte die Gefahr der Ableitung des bisherigen Pm |
blikums 2. Klasse in Deutschland an sich stärker erschei- j
nen, so ist doch zu erwägen, dass gerade bei den weiteren j
Reisetouren des Schnellzugverkehr’s der grössere Comfort |
der zweiten Classe mehr ins Gewicht fällt. Die in der j
Einführung der dritten Klasse liegende Preisermässigung, 1^ |
Verbindung mit der aus Benutzung der Schnellzüge er- 1
wachsenden Zeitersparniss, lässt ferner eine, gewiss häufig |
im Gesammtresultat den Eisenbahnen vortheilhafte Ere- !
quenzsteigerung erwarten. Erleichterung des persönlichen ;
Verkehrs erleichtert dem Kaufmann auch die Anknüpfung
und Abwicklung von Geschäften und hat so ebenfalls füi’
den Güterverkehr günstige Rückwirkung, wie die englischen
Eisenbahnmänner ausdrücklich und gewiss mit Recht her-
vorzuheben pflegen.
ueberiastung cur Allerdings wii’d ill Deutschlaiid mehr als in England
die Gefahr einer Ueberiastung der Züge im Auge zu be
halten sein, weil die Einlegung weiterer Züge in dei
Regel mehr Bedenken hat : aber diese Gefahr beschränkt
sich bei den weitaus meisten Zügen auf gewisse vorher
bekannte Zeiten im Jahr. Es wird daher im einzelnen
Falle zu erwägen sein, ob es nicht rathsamer ist, für diese,
gewöhnlich nur kurze Zeiten zu besonderen Massregeln,
nöthigenfalls zu temporären Doppelzügen zu schreiten, nls j
deshalb für die ganze übrige Zeit des Jahres auf die durch