Full text : Die Social-Demokratie

114  V.  Der  Älassenhaß  und  die  Soc.-Demokratie.
selli,  um  ihr  Banner  zu  schaaren.  Die  bei  den  letzten  Reichstagswahlen ­
  für  die  socialistischen  Reichstags-Candidaten  abgegebenen ­
  nahe  an  400,000  Stimmen  zeigen  uns  immer  erst
einen  Theil  des  großen  Heers  der  Unzufriedenen.  Ihr  Botum
ist  nichts  weniger  als  eine  Sanktion  des  socialistischen  Programmes, ­
  so  gerne  uns  auch  die  Social-Demokratie  glanben
machen  will,  daß  es  ein  zustimmendes  Urtheil  für  den
Socialismus  sei,  sondern  es  ist  durch  das  rief  empfundene
Bedürfniß  erzeugt,  daß  auch  durch  das  Mittel  der  Gesetzgebung ­
  den  socialen  Ausschreitungen  ein  Damm  gezogen
werden  müsse,  ohne  daß  die  Mehrzahl  jener  Abstimmenden
danlit  auch  zugleich  die  Abhilfe  schaffende  Gesetzgebung  in
die  socialistische  Schablone  hätten  zwangen  oder  aussprechen
wollen,  daß  sic  nur  vorn  Socialismus  ihr  Heil  erwarte.
Die  vorhandene  und  aus  natürlichem  Boden  herauswachsende
Unzufriedenheit  lst  der  Faden,  an  welchen  die  social-demvtratische
  Agitation  geschickt  anknüpft,  und  den  sie  künstlich
weiter  zu  spinnen  weiß.  Die  llnznfriedenheit  in  den  niederen
Regionen  der  Gesellschaft  zum  Klassenhaß  zu  steigern  und
den  sorgfältig  genährten  Klassenhaß  zum  unversöhnlichen
Klassenkampf  weiter  zu  führen,  das  ist  die  Kunst  und  das
traurige  Verdienst  der  Social-Demokratie.
Es  ist  überflüssig  und  cs  liegt  auch  nicht  in  unserer
Aufgabe,  die  begründeten  Ursachen  der  Unzufriedenheit  hier
des  Näheren  zu  erörtern.  Die  Geschichte  der  letzten  Tage  hat
sie  ja  zum  Theil  der  Art  enthüllt  uud  blos  gelegt,  daß  ein
Jeder,  der  sehen  will,  sie  auch  klar  erkennen  kann.  Das
Verhältniß  zwischen  den  Besitzenden  und  den  Besitzlosen  muß
nothwendig  gestört  werden,  wenn  weniger  die  redliche  Arbeit,
als  vielmehr  die  schwindelhafte  Spekulation  als  Mittel  zur
raschen  Vermehrung  des  Besitzes  in  Uebung  kommt.  Nur
durch  die  Arbeit,  und  nicht  durch  die  arbeitslose  Spekulation
            
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