Full text : Die Social-Demokratie

Die  Liebe.

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kratie  gepflegten  Klassenhaß  noch  weiter  den  Jndicienbeweis
zu  führen,  da  uns  ihre  Presse  ja  mit  offenen  Geständnissen
entgegenkommt.  Die  Social-Demokratie  läßt  es  zwar  an
Betheuerungen  nicht  fehlen,  daß  die  Liebe  ihr  Element  sei,
und  sie  weiß  die  Brüderlichkeit  eben  so  sehr  wie  die  Freiheit
und  die  Gleichheit  zu  rühmen.  Wenn  man  aber  lernen  will,
was  eine  Phrase  ist,  dann  muß  man  bei  der  Social-Demokratie ­
  in  die  Schule  gehen,  und  ihre  Deklaniationen  über  die
Liebe  anhören.  Wie  es  mit  der  Liebe  in  ihrem  Zukuuftsstaat
  beschaffen  sein  wird,  das  wollen  wir  nicht  näher  untersuchen. ­
  Darüber  kann  man  sich  doch  nur  in  Folgerungen
und  Vermuthungen  ergehen.  Aber  für  die  Gegenwart  ist
bei  der  Social-Demokratie  die  Liebe  noch  in  Fesseln  gelegt.
„Die  Liebe  zur  gesammten  Menschheit  aber  ist  unser  höchstes
„„Ideal",  schreibt  der  „N.  Social-Demokrat"  (1872,  40)
„und  dieses  soll  und  wird  verwirklicht  durch  den  Socialis-„mus.
  Aber  ihr  predigt  ja  immer  den  Haß,  den  Klas-„senhaß
  —  so  wird  man  uns  entgegenrufen  —  ja  wohl,
„und  das  thun  wir,  indem  wir  uns  voll  und  ganz  auf  den
„Boden  der  Menschenliebe  stellen.  So  lange  es  noch
„Klassen  in  der  Menschheit  gibt,  so  lange  wird
„nimmermehr  die  Menschenliebe  auferstehen."
Menschenliebe  hält  der  Socialismus  nur  für  möglich  auf  dem
Boden  völliger  Gleichheit.  So  lange  es  noch  höhere  und
niedere  Klassen  gibt,  dünkt  ihm  der  Haß  nothwendig  und  natürlich ­
  zu  sein.  Reiche  nnd  Arme,  Hohe  und  Niedere  können ­
  sich  nach  socialistischer  Lehre  nicht  lieben,  sie  müssen  sich
hassen.  Wir  verzichten  darauf,  die  Narrheit  einer  solchen
Anschauung  an  der  Hand  von  Thatsachen  darzuthun.  Wir
niüßten  sonst  dicke  Bücher  schreiben,  wollten  wir  die  Werke
der  Liebe,  die  innerhalb  der  heutigen  Gesellschaftsform  allerdings ­
  neben  einer  großen  Masse  von  Aeußerungen  der  lieb-
            
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