Full text : Die Social-Demokratie

138  V.  Der  Klasse,chah  und  die  Soc.  Demokratie.

„Fraget  den  tändelnden  Stutzer,  fraget  den  übermüthigen
„Krautjunker,  fraget  den  zusammenscharrenden  Wucherer,
„fraget  alle  jene,  die  in  den  Palästen  wohnen  und  schmausen,
„welche  die  Arbeit  Anderer  verpraßen:  sie  werden  es  Euch
„sagen.
„Sie  werden  sprechen:  „Das  ist  die  Canaille!"
„Wer  ist  jenes  Weib,  das  in  elender  Hütte  sich  abhärint
„neben  der  Leiche  ihres  Gatten,  den  man  ihr  todt,  zer-„
  schmettert  im  Dienst  der  Kapitalmacht,  in's  Haus  trug?
„Wer  sind  die  Kinder,  welche  hungernd  und  frierend  schon
„früh  morgens  in  die  Zwingburg  mit  rauchenden  Schloten
„wandern  müssen?  Wer  sind  die  Mädchen,  die  obdachlos
„und  verzweifelt,  ein  Kind  an  der  Brust,  ausgestoßcn  von
„der  menschlichen  Gesellschaft,  umherirren,  oder  die  bereits
„die  Scham  von  sich  warfen  und  in  Sammt  und  Seide,
„aber  mit  leerem  Herzen  und  krankem  Leibe,  gehetzt  von  der
„Polizei,  in  den  Straßen  der  Städte  dahineilen?
„Fraget  die  Ausbeuter  der  Weiber  und  Kinder,  fraget
„die  Verführer;  sie  werden  Euch  die  Antwort  nicht  schuldig
„bleiben.
„Sie  werden  sprechen:  „Das  ist  die  Canaille!"
„Verächtlich  —  sich  Götter  dieser  Welt  dünkend  —
„wenden  sich  jene  modernen  Pharisäer  von  dem  Volke  ab,
„das  Alles  durch  seine  Arbeit  schafft.  Mit  verdoppeltem
„Hohn  und  mit  Selbstgerechtigkeit  blicken  sie  ans  jene  hin,
„welche  unterliegen  in  deut  ttngleichen  Kampf  um's  Dasein
„und  das  Letzte  verlieren  —  die  Ehre.  Für  sie  ist  Alles,
„was  unter  ihnen  steht,  nur  eine  stumpfsinnige  Maffe,  die
„nur  gut  dazu  ist,  zu  arbeiten,  sich  für  Andere  zu  plagen,
„und  somit  eine  ewig  traurige  Rolle  zu  spielen.
„Für  diese  Masse  haben  sie  nur  ein  Wort:  „Das
„ist  die  Canaille!"
            
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