Full text : Die Social-Demokratie

196  Vil.  Die  Religion  und  die  Soc.»Demokratie.

„ziehen,  als  naturwissenschaftliche  Kenntnisse,  so  dürste  diese
„Wichtigkeit  evident  erscheinen.  Würde  z.  B.  in  den  Schulen
„die  Zeit,  welche  für  sogenannten  Religionsunterricht  ver-„geudet
  wird,  darauf  verwendet,  den  Kindern  gediegene
„Kenntnisse  über  die  Natur  beizubringen,  oder  wären  unsere
„Kirchen,  Volksbibliotheken  und  öffentliche  naturwissenschaftliche
„Museen  und  Laboratorien,  gewiß,  wir  hätten  leicht  Socia-„lismus
  predigen,  weil  ja  die  Menschen  schon  wüßten,  daß
„jeder  Einzellte  ein  von  der  Natur  gezeugtes  Produkt  ist
„und  somit  die  gleichen  Ansprüche  an  die  Natur  hat."
Es  ist  unzweifelhaft,  aus  religiösem  Boden  kann  die
Social-Demokratie  keine  Wurzeln  schlagen.  Die  Verwüstung
desselben  ist  eine  für  ihren  Bestand  wie  für  ihren  endlichen
Sieg  nothwendige  Vorbedingung.  Dabei  kommt  es  ihr  sehr  zu
Statten,  daß  andere,  auch  viele  ihrer  natürlichen  Gegner  in
völliger  Verkennung  der  socialen  Bedeutung  der  Religion,
ihr  in  die  Hände  arbeiten.  Sie  darf  ernten,  wo  andere
unwissentlich  für  sie  gesäet  haben.  Die  Frucht  der  atheists
schen  Weltanschauung  fällt  schließlich  dem  Socialismus  in
den  Schooß.
            
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