Parteiprogramm.
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"Wer das Gleiche will, wer das Gleiche bekämpft, der
schließe sich uns an!"
Wir fragen erstaunt, sind das die unterscheidenden Merk
male des Socialismus? Gibt es irgend eine Partei, der
wir nachzusagen das Recht hätten, daß sie, wenn wir vom
socialistischen Polksstaat absehen, von alledem das Gegentheil
wolle, daß sie Unrecht, Lohnsklaverei, Elend, Barbarei und
Anarchie absichtlich erstrebe, wenn uns auch die Erfahrung
lehrt, daß die Principien der einen oder der anderen Partei
dieses oder jenes Uebel, ohne daß sie es will, als gewiß
nicht vorausgesehene nothwendige Folge erzeugt? Alle diese
schonen Dinge für sich allein in Anspruch zu nehmen und
Nlit ihnen sein Parteiprogramm zum Unterschied von andereil
Parteien zu schmücken, ist eine unverschämte Anmaßung, der
wir nicht nur iu der socialistischen Presse, sondern auch bei
der persönlichen Agitation begegnen. In einer Bersammlung
zu Stuttgart am 25. November v. I. schloß der Redacteur
der „Süddeutschen Bolks-Zeitung" C. Hillmann, seine Rede
mit den Worten: „Wir Social-Demokraten wollen Bildung,
»wir wollen Wohlstand, wir wollen Gesittung!" Ja wir
wollen es glauben, daß die Social-Demokratie dieses will.
Aber alle Andere« wollen dies auch. Daher sollte man
erwarten, daß, so oft man von diesen Zielen spricht, neben
und vor diesen schönen Dingen doch auch die Mittel genannt
werden, durch welche der Socialismus alle diese Herrlichkeiten
herbeiführen will. Dann wird das Wesen des Socialismus
gekennzeichnet sein, dann werden vielleicht auch Manchem die
Augen aufgehen, welche mit solch phrasenhaften Allgemeinheiten
zuzukleistern die Absicht und die ftunft der socialistischen
Agitation ist.
Also nicht Aufklärung und Belehrung in ruhiger, leiden
schaftsloser, sachgemäßer Weise über das eigentliche Wesen
Schuster. Die Social-Demokratie. 2