Full text : Schutz dem Arbeiter!

diesen  schlechten  Zeiten  etwas  mehr  zu  verdienen«.  Von  den  Arbeitern  wird  freilich  meiste
theils  der  Vortheil  dieser  Ueberzcit  und  des  Mehrverdienstes  nicht  eingesehen,  denn  P
sagen,  daß  dieser  Mchrvcrdienst  bei  verlängerter  Arbeitszeit  wieder  verausgabt  werden
für  besseres  Essen,  so  daß  ein  finanzieller  Vortheil  ihnen  dadurch  gar  nicht  erwachse.  3»
vielen  Fällen  wurde  die  rcgierungsräthlichc  Ucberzcitbcwilligung  in  ihrem  ganzen  tt» 1 '
fange  gar  nicht  benutzt,  weil  der  Arbeitgeber  bald  einsah,  daß  die  Mehrproductio»
so  gering  sei,  daß  Heizung  und  Licht  daraus  kaum  bestritten  werde,  und  daß  die  Arbcü
am  folgenden  Morgen  mit  weit  weniger  Energie  fortgehe,  als  bei  Einhaltung  ^
kürzern  Dauer.  Oefter  willigten  auch  die  Arbeiter  in  eine  Verlängerung  der  Arbeit»'
zeit  nicht  ein,  besonders  wenn  sie  mit  Stückarbeit  beschäftigt  gewesen  waren."

Auch  bezüglich  der  Stickereien,  bei  denen  die  Durchführung  de»
Maximal-Arbeitstages  am  schwierigsten  erschien,  führt  der  Fabrik-Jnspector
an,  daß  derselbe  sich  jetzt  ziemlich  eingebürgert  habe  und  man  sich  „am
seitig  mit  großer  Befriedigung"  über  die  Erfolge  ausspreche:
„So  sagte  man  fast  überall  int  Vorderland  und  Mittelland  des  Cantons  Appens
wo  ich  bei  meinem  ersten  Besuche,  hauptsächlich  der  Arbeitszeit  wegen,  auf  viele  Schwierig
keilen  gestoßen  war:  »Der  Normal-Arbeitstag  habe  sich  als  eine  große  Wohlthat  st
die  Arbeiter  und  F  ab  rica  nt  en  erwiesen;  es  werde  viel  regelmäßiger  gearbei^
das  Blaumachen,  über  das  früher  so  viel  geklagt  worden,  kenne  man  kaum  mehl'
während  der  kürzern  Arbeitszeit  werde  intensiver  gearbeitet  und  sorgfältigere  u»
bessere  Arbeit  geliefert.  Der  Normal-Arbeitstag  erweise  sich  als  eine  der  besten
stimmungen  des  Gesetzes.«

Zum  Schlüsse  sagt  dieser  Inspector:
„Aus  der  großen  Zahl  von  Gesuchen  um  Ueberzcitbcwilligung  könnte  geschlosst'^
werden,  daß  die  elfstündige  Normal-Arbeitszeit  wirklich  zrr  kurz  sei.  Betrachtet  man  1)0
Verzcichniß  (ber  Gesuche)  aber  genauer,  so  ist  ersichtlich,  daß  nur  ein  Fünftel  säm»'

licher  Fabriken  diese  Ueberzcit  bedürfen  und  daß  stets  die  gleichen  wieder  um  ernew

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bisher  gemachten  Erfahrungen  kann  mit  Bestimmtheit  behauptet  werden,  daß  die  Arbe^
»ohlthat  erblicken.  Wäre  ^
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psindlich  auf  die  Stückarbeiter  drücken,  was  aber  keineswegs  der  Fall  zu  sein  scheint.
früher  so  oft  ausgesprochene  Befürchtung,  »es  werde  die  kürzere  Arbcitsdauer  den  Arbe^
mehr  zum  Wirthshausbesuch  veranlassen,«  hat  sich  als  unbegründet  bewies^
Die  schweizerische  Industrie  hat  durch  den  Normal-Arbeitstag  an  G*'
currenzfähigkeit  nicht  verloren."

Bewilligung  nachsuchen,  während  vier  Fünftel  der  Etablissements  mit  der  gew
lichen  kürzern  Arbeitszeit  auszukommen  wissen.  —  In  Berücksichtigung
bisher  gemachten  Erfahrungen  kann  mit  Bestimmtheit  ļ
fast  ausnahmslos  im  Normal-Arbeitstag  eine  große
bedeutende  Productionsündcrung  damit  verbunden,  so  müßte  dieselbe  in  erster  Linie

Derselbe  Fabrik-Jnspector  führt  pro  1884/85  an.
„Wiederholt  äußern  sich  die  Fabrikbesitzer  dahin,  daß  sie  nur  in  ganz  dringe»^
Fällen  von  den  U  e  berzei  tb  ewilligungen  Gebrauch  machen,  da  es  sich  iin»'^
mehr  herausstelle,  daß  damit  weder  für  die  Arbeitgeber,  noch  für  ^  ļ
Arbeiter  ein  erheblicher  Vortheil  erzielt  werde."
Der  Fabrik-Jnspector  des  I.  Bezirkes,  Dr.  Schuler,  war  stets  ein
zeugter  Vertreter  des  Maximal-Arbeitstages.  Derselbe  constatirt  V*
1884/85  sogar  bezüglich  der  Spinnereien,  welche  sonst  stets  1
längste  Arbeitszeit  für  sich  in  Anspruch  nehmen:
            
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